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Alt-Katholischer Bischof Dr. Matthias Ring ruft dazu auf, im Licht des Evangeliums um politische Positionisierungen miteinander zu ringen

60. Ordentliche Bistumssynode nimmt den Bericht des Bischofs entgegen, tritt dem Aktionsbündnis „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“ bei und beschließt, bei der Synode 2018 einen ganzen Tag für das Thema ‚Frieden‘ zu reservieren.

Am ersten Tag der Alt-Katholischen Bistumssynode 2016, die vom 29. September bis zum 2. Oktober im Erbacher Hof in Mainz tagt, berichtete Bischof Dr. Matthias Ring über die Arbeit der zurückliegenden zwei Jahre seit der letzten Synode. Dabei warf er einen Blick auf die weiteren Entwicklungen im deutschen Bistum. Besondere Schwerpunkte in seinem Bericht waren dabei die Auseinandersetzung mit dem Thema Sakrament der Ehe. Es wird diese Synode und das Bistum noch über mehrere Jahre beschäftigen. Ein weiteres wichtiges Thema war die Frage von Stellungnahmen des Bischofs bzw. des Bistums zu aktuellen politischen Fragen wie Pegida oder der Flüchtlingsfrage.

Bischof Dr. Ring rief in der Diskussion um das Thema Sakrament der Ehe dazu auf, sich nicht auf die Frage der Sakramentalität der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zu fokussieren und aus theologischen Meinungen keine unumstößlichen Wahrheiten zu machen. Eine solche Segnung ist in einigen der europäischen alt-katholischen Kirchen seit einiger Zeit möglich. Letztlich solle sich die Synode darauf beschränken, »über Rechtsfolgen abzustimmen, die sich zwar auf theologische Einsichten und Urteile gründen, die aber niemanden zwingen, diesen theologischen Positionen zuzustimmen«, so Ring. Ähnlich sei man ja schon bei der Frage der Frauenordination vorgegangen. Er wolle dem Bistum Ende 2017 einen Vorschlag vorlegen, wie ein möglicher Weg weitergegangen werden könnte. Zugleich machte er aber auch deutlich, dass die Kirche auch dann nichts übereilt beschließen, sondern sich die Zeit lassen solle, die für die Gespräche über das Thema benötigt werde.

Mit Blick auf die Frage von Stellungnahmen des Bischofs zu aktuellen politischen Fragen wies Bischof Dr. Ring darauf hin, dass solche politischen Fragen wie z.B. die Flüchtlingsthematik meist sehr vielschichtig und kompliziert seien. Deshalb würden sich einfache Stellungnahmen eigentlich verbieten. Sehr deutlich hob Bischof Dr. Ring allerdings hervor, dass aus seiner Sicht die Pegida-Parolen nicht mit seinem Verständnis des Evangeliums in Einklang zu bringen seien.

Entscheidender als offizielle Stellungnahmen des Bischofs oder des Bistums sei für ihn allerdings, ob in der Kirche solche Fragen überhaupt diskutiert würden. »Und das heißt, ob man um Antworten im Licht des Evangeliums miteinander ringt«, so Bischof Ring. Das Problem des Alt-Katholizismus sei ja nicht eine gesellschaftspolitische Positionslosigkeit, sondern seine Diskurslosigkeit, also das Fehlen eines innerkirchlichen Gesprächs über diese Fragen. In diesem Zusammenhang regte Ring an, die Tradition der in den achtziger und neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts herausgegebenen alt-katholischen Positionspapiere wieder aufzunehmen. Sie wären die Versuche einer Positionsbestimmung u.a. zu politischen Fragen im Bewusstsein, in einer bestimmten und für eine bestimmte Zeit geschrieben zu sein. Das bedeutet, dass sie keinen Anspruch darauf erheben, eine letztgültige Position der gesamten Kirche darzulegen. Die Frage, wie dies konkret realisiert werden soll, wurde den beiden Dekanatspastoralkonferenzen Nord und Ost übertragen, die das Thema bereits in die Synode 2014 eingebracht hatten.

Neben diesen Themen beschäftigte sich der Bischofsbericht auch mit der aktuellen und zukünftigen Personalsituation, der Mitgliederstatistik und der Öffentlichkeitsarbeit des Bistums sowie mit den unterschiedlichen ökumenischen Dialogen. Hier verwies Bischof Dr. Ring insbesondere auf die bevorstehende Aufnahme der vollständigen kirchlichen Gemeinschaft mit der Evangelischen Kirche von Schweden, die im November im Rahmen der schwedischen Synode in Uppsala gefeiert werden wird.

Nach dem Bischofsbericht und einem Bericht der Synodalvertretung wurden dann noch mehrere Anträge behandelt, die sich um den Themenkomplex ‚Frieden‘ drehen. Dabei wurde u.a. beschlossen, dass sich die Alt-Katholische Kirche auf Ebene der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) dafür einsetzen werde, die Thematik ‚Frieden‘ zu einem Hauptthema zu machen. Außerdem wurde beschlossen, sich dem Aktionsbündnis „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“ durch Beitritt des Bistums anzuschließen. Der ursprüngliche Antrag, im Jahr 2017 eine außerordentliche Synode zum Thema ‚Frieden‘ durchzuführen, wurde so abgeändert, dass sich die Kirche bei der nächsten ordentlichen Synode im Oktober 2018 einen ganzen Tag lang mit dem Thema auseinandersetzen wird.

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