Die Frage „Warum ist die alt-katholische Kirche eigentlich so klein?“ begegnet mir immer wieder. Kein Wunder: Wir sind (m.E.) eine zeitgemäße Form des Katholizismus, in der sich eigentlich viel mehr Menschen wohl fühlen würden, als jene rund 16.000 Mitglieder, die wir derzeit in Deutschland zählen.

Wo also liegt das Problem?

Ein erster Punkt ist möglicherweise unser Name. – „Alt-Katholisch“. Das klingt erst mal nicht sonderlich zeitgemäß, sondern eher verstaubt, in manchen Ohren evtl. sogar ‚erzkonservativ‘. Manche, die nur den Namen hören, sich aber abgeschreckt davon erst gar nicht intensiver mit uns auseinandersetzen, packen uns dann schnell mit den ‚Pius-Brüdern‘ in einen Topf. Gegensätzlicher dürfte es kaum gehen.

Aber neben der Tatsache, dass ich bislang noch keinen vernünftigen, zündenden Alternativ-Vorschlag vernommen habe (und mir auch selber noch keine wirklich gute Idee für einen richtig guten, treffenden und aussagekräftigen anderen Namen durch den Kopf gegangen ist): Wir leben jetzt seit unserer Konstituierung als eigenständige Konfession mit diesem Namen. Und das sind nun doch schon mehr als 140 Jahre. Der Name ist eingeführt. Dort, wo wir bekannt sind, kennt man uns unter diesem Namen. Und man legt seinen Namen ja auch nicht einfach ab, wie ein verschlissenes Kleid. Zumal das ‚Alt‘ ja durchaus auch auf die ‚alte Kirche‘, die frühe Kirche verweist, an der wir uns orientieren.

Als weiteren Grund hat unser derzeitiger Bischof Dr. Matthias Ring kurz nach seiner Weihe in einem Interview gegenüber der Kirchenzeitung Publik Forum unsere Verstreutheit und teilweise geringe Größe vor Ort benannt:

Ich sehe das ganz nüchtern: Eine so kleine Kirche, wie wir es sind, ist nicht unbedingt attraktiv für jeden. Einem Zwanzigjährigen, der im Bayerischen Wald wohnt, nützt es nichts, wenn die nächste alt-katholische Gemeinde viele Kilometer entfernt ist – selbst wenn er sich mit den Zielen der alt-katholischen Kirche identifizieren würde, er erlebt sie nicht.

Zu einer kleinen Gemeinschaft zu gehören ist nicht jedermanns Sache, das muss man ganz nüchtern sehen. Gerade viele kritische römische Katholiken brauchen das Gefühl, einer großen Gemeinschaft anzugehören. Die Menschen, die zu uns kommen, darunter viele Akademiker, haben eine bewusste Entscheidung getroffen, auch für die kleine Zahl. Wer alt-katholisch ist, muss bejahen, dass er sonntags eben auch mal nur mit zehn, zwanzig oder dreißig Leuten im Gottesdienst zusammen ist.

Wir sind eine kleine Kirche. Und in der Tat muss man in den meisten Regionen Deutschlands richtig lange Strecken zurücklegen, um zur nächsten Gemeinde zu kommen.

Derzeit haben wir gerade mal 42 Pfarrämter mit derzeit 107 Geistlichen im aktiven Dienst, wovon allerdings 59 im Ehrenamt tätig sind, so dass inklusive aller Vikarinnen und Vikare 48 hauptberufliche Geistliche übrig bleiben. Mehr ist finanziell kaum zu stemmen. Und in manchen Gemeinden, wie z.B. hier in Hamburg, haben wir im Moment noch nicht mal eine eigene Kirche.

Auf der anderen Seite ist es ganz einfach so: Wenn viele von denen, welche die alt-katholische Kirche zwar überaus sympathisch und ihrer Idee von Kirche entsprechend finden, dann aber nicht zu uns kommen, weil sie vor der aber vor den Entfernungen zurückschrecken oder ihnen die Gemeinschaft zu klein ist, können wir selbstverständlich auch nicht stärker wachsen als bislang und auch nur selten neue Gemeinden aufmachen, so dass die Entfernungen kürzer werden. Da beißt sich die berühmte Katze mal wieder in ihren Schwanz.

Ein weiterer Grund ist sicherlich, dass wir zu unbekannt sind. Für die meisten Menschen – zumindest hier in Deutschland – dürfte das Stichwort ‚katholisch‘ mit der großen römisch-katholischen Kirche identisch sein.

Macht doch mehr Öffentlichkeitsarbeit“ wird mir (und wahrscheinlich auch anderen aus meiner Kirche) dann immer wieder geraten. Gut gesagt. Aber dann wird es schwierig. Denn gute und breit aufgestellte Öffentlichkeitsarbeit kostet: Geld und Man-/Woman-Power. Und beides ist bei uns jetzt nicht im Überfluss vorhanden, da wir mit dem uns zur Verfügung stehenden Kapital vor allem unsere hauptberuflichen Geistlichen (s.o.) finanzieren.

Im Moment versuchen wir das uns mögliche. Eine einigermaßen günstige Möglichkeit ist für uns das Internet und solche Portale wie Facebook oder Twitter. Weswegen wir sie so gut es eben geht auch nutzen. Und unsere Pressearbeit ist seit einigen Jahren auch besser geworden. Was allerdings nicht bedeutet, dass deswegen alle Journalistinnen und Journalisten gleich bei uns auf der Matte stehen. Und selbstverständlich sind wir auf den Kirchen- und den Katholikentagen immer mit Info-Ständen und engagierten Mitwirkenden vertreten.

Auch hier gilt: Wenn wir mehr werden, und uns dadurch mehr Finanzmittel zur Verfügung stehen, können wir auch mehr tun – sowohl in der Öffentlichkeitsarbeit als auch im Gemeindeaufbau. Dann werden wir auch bekannter, und dann können wir auch wieder mehr werden.

Das wäre ein schöner Schneeballeffekt. Wir müssen den Schneeball nur noch ins Rollen bekommen …

Wenn jetzt Lesenden dieses Beitrags noch Ideen kommen, wo möglicherweise weitere Gründe dafür liegen, dass wir noch relativ wenige sind, dann freue mich mich sehr über Kommentare. Erkenntnisgewinn ist nämlich eine feine Sache.