Fronleichnam – ein Fest und sein Ursprung

DSC01042Heute dürfte wieder Hoch-Zeit in Orvieto sein. Denn im dortigen Dom wird das blutbefleckte Messtuch aufbewahrt, auf welches das heute in katholischen Gebieten gefeierte Fronleichnamsfest zurück geht.

Hintergrund dieses Festes ist die römisch-katholische Lehre von der ‚Transsubstantiation‘, also der realen Verwandlung von Hostie und Messwein in den realen Leib und das reale Blut Christi (das geht noch über die auch von alt-katholischer Seite vertretene Auffassung von der Realpräsenz Christi in Brot und Wein hinaus). Diese Lehre wurde 1215 von der römisch-katholischen Konfession (Viertes Laterankonzil) zum “Dogma”, also zur von allen verbindlich zu glaubenden Lehre erhoben.

Die Sage erzählt, dass ein böhmischer Mönch Zweifel an dieser von römisch-katholischer Seite vertretenen Lehre der Transsubstantiation gehabt hätte. 1263 habe er sich deswegen auf dem Weg zu Papst Urban IV. nach Rom begeben. In Bolsena zelebrierte er dabei eine Messe, bei der es dann zu dem Wunder kam: Aus der Hostie tropfte Blut auf das Messtuch (so genanntes “Corporale”) und bildete darauf ein Kreuz. Der Mönch eilte sofort zu dem sich im nahe gelegenen Orvieto aufhaltenden Papst, der dies als Zeichen der Bekräftigung der entsprechenden Lehre auffasste und das Fronleichnamsfest begründete, welches die Glaubenden an diese Lehre erinnern sollte.

Das blutbefleckte Corporale wiederum wird in einer Seitenkapelle des Doms von Orvieto aufbewahrt (kann man sich dort in einem Rahmen aufgespannt anschauen) und an jedem Fronleichnamsfest durch die Stadt getragen.

Wen ich mich mit der Geschichte des Christentums beschäftige, bin ich doch immer wieder erstaunt, welche Wunder und Mirakel Menschen scheinbar benötigen, um an Gott glauben zu können. Für mich grenzt diese Geschichte mit dem Corporale und dem darauf basierenden Fronleichnamsfest eigentlich schon fast eher an Zauberei und Hokuspokus (bezeichnend vielleicht, dass der Begriff ‚Hokuspokus‘ ja selber aus den lateinischen Einsetzungsworten ”hoc est corpus meus”: “Dies ist mein Leib” entstanden ist).

Mir fällt es schwer, daran zu glauben, dass Gott solche Zauberei stattfinden lässt, nur damit die Menschen glauben. Das heisst nicht, dass ich nicht an Wunder Gottes glaube, die in unserer Realität geschehen können. Aber ich glaube, dass diese Wunder Gottes eher in unserem Alltag geschehen, und der Zauber, der von ihnen ausgeht, nichts mit Zauberei zu tun hat, sondern vielmehr damit, dass Mitten unter uns ein Stückchen von dem Realität wird, was wir Christinnen und Christen “Reich Gottes” nennen.

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4 Kommentare zu „Fronleichnam – ein Fest und sein Ursprung“

  1. Das eine ist ein altes Tuch und das andere die Tatsache daß wir heute überhaupt noch leben und das hier schreiben können…

    1962, während der Kuba-Krise:
    US-Zerstörer kreisen das sowjetische U-Boot B-59 ein und beschießen es mit Wasserbomben um es zum Auftauchen zu zwingen. Was sie NICHT wissen: B-59 hat Atomsprengköpfe an Bord. Man muss sich überlegen: In einem U-Boot, das gerade beschossen wird, muss es wirklich sehr schlimm sein. Der Kapitän ist durch den Beschuss überzeugt, daß der Krieg bereits begonnen hat und will die Atomsprengköpfe loslassen. Torpedooffizier Wassili Alexandrowitsch Archipow weigert sich als einziger, bleibt als einziger besonnen und streitet sich heftig mit dem Kapitän. Schließlich kann er ihn überzeugen, aufzutauchen um auf weitere Befehle aus Moskau zu warten.
    1983, erstes Ereignis:
    Der Kalte Krieg ist heiß wie nie. Die SS-20-Raketen, der NATO-Doppelbeschluss, US-Flottenmanöver vor der Nase der Sowjets und der versehentliche Abschuss eines südkoreanischen Passagierflugzeugs haben die Lage zum Kochen gebracht. Und da passiert es: Ein sowjetischer Spionagesatellit sieht weiße Mäuse, bzw. amerikanische Raketenstarts und meldet das in die Zentrale der sowjetischen Satellitenüberwachung. Wo zum Glück gerade Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow Dienst hat. Unter unglaublichem Druck (er hatte keine anderen Quellen um seine Vermutung zu verifizieren, dagegen aber eindeutige Befehle) stufte er das ganz richtig als Fehlalarm ein und setzte sogar den Computer außer Funktion, was eindeutig gegen seine Befehle verstieß.
    1983 Able Archer:
    Das NATO-Herbstmanöver, das hier im Westen die Straßen in Kartoffeläcker verwandelte, war man „drüben“ ja schon gewöhnt. Aber diesmal gab es ausgerechnet in diesem heißen Jahr was neues: Die Generäle, sogar hochrangige Politiker, zogen sich zu einer Generalstabsübung zurück. Es wurden sogar die Codes der Interkontinentalraketen geändert, sowie die Hochstufung von DEFCON simuliert, bis zu DEFCON 1. Das haben die Sowjets leider alles mitbekommen. Schließlich standen dann in der DDR die Jagdbomber zum ersten und einzigen Mal mit untergeschnallten scharfen Bomben in Alarmbereitschaft. Also: Triebwerke liefen und Piloten waren drin… Es gab zum Glück einen sowjetischen Maulwurf im NATO-Hauptquartier nämlich Rainer Rupp, alias Topas. Der konnte seine Kontaktleute in der DDR überzeugen, daß kein Angriff geplant war und die übezeugten die Sowjets. Gleichzeitig gab es einen Doppelagent namens Oleg Antonowitsch Gordijewski, der Reagan überzeugte, nicht das ganze geplante Szenario durchzuspielen. Statt in den Bunker zu gehen zeigte sich Reagan munter im Urlaub. Zwei Verräter retten die Welt…

    Wie hoch ist die mathematische Wahrscheinlichkeit, daß gleich 3 Mal die exakt richtigen Leute an entscheidenden Positionen standen? Nicht sehr hoch, oder?
    Das ist doch eigentlich viel beeindruckender als so ein altes Tuch…

  2. Historisch ist die Entstehung des Fronleichnamsfestes eher im Bistum Lüttich zu suchen. Dort wurde es 1246 erstmals gefeiert. Papst Urban übernahm es erst 18 Jahre später …1264 , Und in seiner Bulle findet sich meines Wissens keinerlei Hinweis auf die oben erwähnte volksfromme Legende…

  3. Pingback: Alchemie

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