Ökumenisch auf dem Kirchentag Abendmahl feiern

Die Evangelische Bischöfin Maria Jepsen (Hamburg) und der Alt-Katholische Bischof Joachim Vobbe (Bonn) beim gemeinsamen Brotbrechen beim ÖKT 2003 in Berlin - Fotograf: Walter Jungbauer
Die ehemalige Evangelische Bischöfin Maria Jepsen (Hamburg) und der Alt-Katholische Alt-Bischof Joachim Vobbe (Bonn) beim gemeinsamen Brotbrechen beim ÖKT 2003 in Berlin – Fotograf: Walter Jungbauer

Beim bevorstehenden 34. Evangelischen Kirchentag in Hamburg findet wieder eine Ökumenische Lima-Liturgie mit gemeinsamem Abendmahl statt.

Am Samstag, 4. Mai 2013, 14.30 Uhr lädt die Alt-Katholische Kirche zu diesem gemeinsamen Gottesdienst mit der Evangelischen und der Anglikanischen Kirche in die Evangelisch-Lutherische Hauptkirche St. Petri (Bei der Petrikirche 2) ein.

An dem Gottesdienst stehen Präses Annette Kurschus (Evangelische Kirche von Westfalen, Bielefeld), Bischof Prof. Dr. Friedrich Weber (Evangelisch-Lutherische Kirche Braunschweig, Wolfenbüttel), Bischof Dr. Matthias Ring (Katholisches Bistum der Alt-Katholiken, Bonn) und Reverend Canon Christopher Jage-Bowler (Anglikanische Kirche / Episcopal Church, Berlin) gemeinsam am Altar.

Präses Kurschus wird die Predigt halten.

Bereits 1931 schlossen sich die anglikanischen Kirchen mit den alt-katholischen Kirchen der Utrechter Union zur Kirchengemeinschaft zusammen. Seit 1985 gibt es eine Vereinbarung zur gegenseitigen Einladung zu Abendmahl und Eucharistie zwischen der deutschen alt-katholischen Kirche und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Kirche von England und die EKD sind seit 1988 in der gemeinsamen Erklärung von Meissen verbunden, in der beide Kirchen u.a. Abendmahlsgemeinschaft vereinbart haben. Der Evangelische Kirchentag ist ein guter Anlass, diese ökumenischen Verbindungen mit einem gemeinsamen Abendmahls-Gottesdienst zu feiern.

Advertisements

9 Kommentare zu “Ökumenisch auf dem Kirchentag Abendmahl feiern”

  1. Nur zur Aufklärung und Verständigung, ich glaube, das Wort „Abendmahlsgemeinschaft“ im Bezug auf Anglikaner und EKD ist leider verfrüht. Das Meißener Abkommen will diese Gemeinschaft *anstreben*, aber es ist noch keine eucharistische Gemeinschaft da, da die Anglikaner auf die apostolische Sukzession und das historische Bischofsamt bestehen als Bedingung für eine solche Interkommunion (siehe Chicago-Lambeth Quadrilateral) und die Bischöfe und Landeskirchen der EKD habe diese nicht und wollen sie auch nicht. Deswegen ist z.B. in Meißen geregelt, dass die Feier immer nach der Ordnung der einen oder anderen Kirche und unter der Leitung des jeweiligen Geistlichen gefeiert wird, also genau genommen ist es eine Feier der einen Partnerkirche, mit Beteiligung von Geistlichen der anderen.

    Nichts desto trotz sind beide Kirchen bemüht, diese Hürde durch sichtbare Zeichen der Gemeinschaft zu überwinden, durch ebensolche Eucharistiefeier.

  2. Warum sollten Anglikaner sich an einer Feier beteiligen, die aufgrund der fehlenden Sukzession unwirksam ist? Oder warum ist für die Anglikaner die Sukzession wichtig, wenn nicht für die Gültigkeit der Sakramente?

  3. Wenn man nicht davon ausgeht, dass die Eucharistiefeier lediglich ein Zauberspruch ist, bei dem gewisse Dinge vorhanden sein muss damit der Zauber gelingt, dann kann man die Haltung bzgl. Kirchen ohne das historische Bischofsamt durchaus vertreten. Das historische Bischofsamt in apostolischer Sukzession ist *eine* Voraussetzung für die volle Kircheneinheit (siehe Chicago-Lambeth Quadrilateral), nicht für die „Gültigkeit“ der Sakramente.

    Ich als Anglikaner halte die Sukzession für eine Notwendigkeit für die volle sichtbare Einheit der Kirche, und finde es äußerst schade, dass die EKD weiterhin so ablehnend bleibt (im Gegensatz zur ELCA in den USA!), aber das heißt lange nicht, dass ich davon ausgehe, eine eine ev.-lutherische Abendmahlsfeier sei bloß Simulation — und glaube, dass ich Leib und Blut Christi bei ordentlichen lutherischen Abendmahlsfeiern empfange. Da ist kein Widerspruch.

  4. Lieber Herr Grantham,

    entschuldigen Sie die nachfragen, ich finde die anglikanische Position sehr interessant, aber leider noch undurchsichtig für mich.

    Mich wundert, dass in der Lamberth-Erklärung das Bischofsamt losgelöst gesehen wird von den Sakramenten – zumindest erscheint es mir so. Wenn die Lehre durch die Schriften gesichert wird (1. Punkt der Erklärung) und die Sakramente ebenso seperat stehen, welchen Hintergrund hat dann das Amt?

    Ich kenne es aus der lutherischen Kirche, dass das Amt auf die Sakramente und die Lehre zugeordnet ist.

    Wie steht die anglikanische Kirche zu den reformierten Mitchristen, da Sie ausdrücklich von lutherischen Abendmahlsfeiern sprechen?

    Entschuldigen Sie, Herr Jungbauer, dass ich den Blog als Diskussionsplattform benutze. Sie können Herrn Grantham auch gerne meine Mail-Adresse geben, falls dieser einverstanden und an einem Austausch interessiert ist.

  5. Hallo Herr Meyer,
    Das Weblog ist ja ganz bewußt eine entsprechende Gesprächs- und Diskussionsplattform.
    Solange die Blog-Netiquette eingehalten wird habe ich auch keinerlei Probleme mit Kontroversen. Sie spiegeln ja auch nur die leider noch immer bestehende Unversöhntheit der christlichen Kirchen.
    Herzlich
    Walter Jungbauer

  6. Hallo Herr Meyer,

    ich bin lediglich Laie und Hobby-Theologe, aber ich versuche es mal so zusammen zu fassen.

    Der Chicago-Lambeth Quadrilateral ist keine Bekenntnisschrift analog zur Confessio Augustana oder dergleichen. Er legt lediglich eine Art Mindestvoraussetzung für die Kircheneinheit mit anderen Kirchen fest. Von daher muss man davon absehen, eine „anglikanische Sichtweise“ daraus abzuleiten, sei es Sakramentenlehre oder Amtsverständnis — vielmehr soll er eine Basis für Einheitsgespräche anbieten, und führte u.a. zur Kirchengemeinschaft mit den Alt-Katholiken.

    Was Sakramentenverständnis angeht, Anglikaner haben im Grunde genommen keine festgelegte präzise einheitliche Linie. Ich kann sagen, was i.d.R. von anglikanischen Theologen und Seminaren gelehrt wird, aber Anglikanismus ist keine Konfession wie Lutherismus mit einer festgelegten Liste von Punkten „das musst du glauben“, außer den nizänischen und apostolischen Glaubensbekenntnissen. Von daher ist es besser, davon abzusehen, zu sehr ins Detail zu gehen und eine „anglikanische“ Position fest zu definieren.

    Grob gesagt, aus anglikanischer Sicht ist das Amt eine wichtige Basis der Kircheneinheit, eine tragende Säule der Kirche, aber die Meinungen liegen sonst weit auseinander, wozu das Amt gut ist. Die meisten Anglikaner sprechen von „Priestern“, andere lieber von „Ministern“ oder „Pastoren“, zum Beispiel. Ich glaube jedoch, man findet kaum Anglikaner, die von „Gültigkeit“ der Sakramente sprechen würden, denn das ist m.E. eher typisch für die römisch-katholische als für die anglikanische (oder alt-katholische!) Kirche.

    Das mag vielen zu schwammig sein, aber ehrlich gesagt, ich glaube, wenn man Ökumene ernsthaft betreiben und die Kircheneinheit fördern will, ist eine solche Kompromissbereitschaft mit wenigen Voraussetzungen der einzige mögliche Weg. Sonst sind Kirchentage u.ä. so gut wie überflüssig.

  7. Danke für die Erläuterungen und den Austausch.

    Die Fixierung ist auf katholischer und auch orthodoxer Seite sicherlich gegeben. Schließlich werden sie als Gnadenmittel verstanden.

    Auch wenn die Gnade Gottes wohl nicht an der Gültigkeit hängt, so halte ich die Frage dennoch für essentiell. Ökumene kann m.E. nicht mit der Aufgabe der Sakramente bezahlt werden. Schließlich steht die ganze Kirche ohne die Sakramente (Stichwort: Kirche als Ursakrament) in Frage.

  8. Es werden keine Sakramente aufgegeben. Schließlich werden die beiden großen Sakramente der Eucharistie und der Taufe im Quadrilateral betont, und in der anglikanischen Theologie hat man durchaus das Amtsverständnis, dass ein geweihter Priester notwendig für die Feier der Eucharistie ist. Allerdings möchte man versuchen, die Grenzen der Konfessionen zu überwinden und wenigstens das äußerliche Zeichen von Einheit in Verschiedenheit aufzubauen, in der Hoffnung, dass die zu einer tieferen, sichtbaren Einheit führt.

    Es kann auch gelingen, wie man z.B. in den beiden anglikanischen Kirchen Indiens (Church of North India und Church of South India), die aus Fusionen der Anglikaner, Lutheraner, und Methodisten in Indien hervor gegangen sind, und das historische Bischofsamt beibehalten haben, oder auch im Fall der Episcopal Church und ELCA in den USA. Von daher würde ich das nicht so schwarz sehen — irgendwie muss man solche Schritte wagen, wenn es überhaupt Fortschritt in der Ökumene geben soll. Sonst bleibt alles beim Alten und keine Annäherung ist möglich. Aber wichtig ist anzumerken, dass diese Einheit in Verschiedenheit nur ein Zwischenschritt zur wahren Einheit sein darf, und nicht das Ziel an sich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s