2014 die erste anglikanische Bischöfin in England!?

Anglikanische Bischöfinnen auf der Lambeth Konferenz 2008 - Foto: scottgunn - Quelle: http://www.flickr.de

In London ist vor wenigen Tagen die Generalsynode der mit uns geschwisterlich in Kirchengemeinschaft verbundenen anglikanischen Kirche von England (Church of England – CoE) zu Ende gegangen. Eines der zentralen Themen war die Frage der Weihe von Frauen zu Bischöfinnen für die Church of England.

Bereits 2006 hatte die Generalsynode der Church of England deutlich gemacht, dass die Zulassung von Frauen für den bischöflichen Dienst ‚theologisch gerechtfertigt’ sei. 2008 hatte die damalige Generalsynode dann weitere Regelungen in der Kirchengesetzgebung getroffen, um eine mögliche Wahl und Weihe einer Bischöfin vorzubereiten.

Dieser Beschluss der Church of England, Frauen zum Bischofsamt zuzulassen, hatte zur Folge, dass einige Priester und Bischöfe, welche die Frauenordination ablehnte, zur römisch-katholischen Kirche übertraten. Am 8. Januar 2011 wurden daher die bisherigen anglikanischen Bischöfe Andrew Burnham, Keith Newton und John Broadhurst vom römisch-katholischen Bischof von Westminster und Vorsitzenden der römisch-katholischen Kirche in England und Wales, Vincent Nichols, zu (übrigens: verheirateten) römisch-katholischen Priestern geweiht.

Nun hat die anglikanische Generalsynode bekräftigt, an ihrem Gesetzesentwurf zur Zulassung weiblicher Bischöfinnen festzuhalten. Voraussichtlich bei der Generalsynode im Juli 2012 wird dann ohne weitere Änderungsanträge über diesen Gesetzentwurf abgestimmt, den die anglikanischen Bischöfe (House of Bishops) bei einem Treffen im Mai allerdings nochmals modifizieren können; jedoch hat die Generalsynode den Bischöfen bereits die Aufforderung mit auf den Weg gegeben, keine substantiellen Änderungen mehr vorzunehmen.

Für die Annahme des entsprechenden kirchenrechtlichen Änderungen sind bei der Generalsynode im Juli dann jeweils Zweidrittel-Mehrheiten im House of Bishops, House of Clergy (die Priesterinnen und Priester) sowie im House of Laity (die Nicht-Geistlichen Synodalen) notwendig. Sollte der Gesetzentwurf im Juli 2012 von der Generalsynode entsprechend angenommen werden, ist damit zu rechnen, dass 2014 die ersten Frauen zu anglikanischen Bischöfinnen geweiht werden.

Der Widerstand gegen Bischöfinnen kommt vor allem von zwei Seiten: Auf der einen Seite Anglikaner, die der römisch-katholischen Kirche und deren Ämtertheologie nahe stehen, nach der es unter den Aposteln Jesu keine Frauen gegeben habe, weswegen auch die Kirche heute kein Recht habe, Frauen zu Bischöfinnen zu weihen. Evangelikale Anglikaner, welche leitende Dienste für Frauen unter Berufung auf die Bibel ablehnen, sind die zweite Gruppe, welche die Frauenordination ablehnt.

Die gesamte Diskussion um die Frauenordination hat mittlerweile eine lange Geschichte hinter sich: Nachdem 1944 mit Florence Li Tim-Oi die erste anglikanische Theologin in Hong Kong zur Priesterin geweiht worden war, wurden 1976 die ersten Frauen in den USA (Episcopal Church of the USA – ECUSA) zu Priesterinnen geweiht.  1993 ermöglichte auch die Generalsynode der Church of England die Priesterinnenweihe. Am 12. März 1994 wurden die ersten Priesterinnen ordiniert.

Dieser Schritt war auch für die Diskussion und die Entscheidung der deutschen alt-katholischen Synode sehr wichtig; im Herbst des gleichen Jahres entschied sich die deutsche Bistumssynode nach vielen Jahren der Diskussion dann ebenfalls endgültig, den Dienst als Geistliche für alle drei Weihestufen – Diakonin, Priesterin, Bischöfin – für Frauen zu öffnen. An Pfingsten 1996 wurden mit Angela Berlis und Regina Pickel-Bossau die ersten beiden alt-katholischen Diakoninnen zu Priesterinnen geweiht. Die meisten anderen alt-katholischen Ortskirchen folgten diesem Schritt. Der amerikanische Zweig der alt-katholischen Kirchen der Utrechter Union, die Polish National Catholic Church (PNCC), trat allerdings wegen der Frauenordination aus der Utrechter Union aus.

Die Weihe von Bischöfinnen hat noch mal eine besondere Bedeutung, da ein Bischof/eine Bischöfin die Leitung über seine Ortskirche und die Aufsicht über die rechte, apostolische Lehre (episcope) in seinem Bistum inne hat und im Bischof/in der Bischöfin nach katholischem Verständnis, welches ja auch von den anglikanischen Kirchen vertreten wird, alle sakramentale Vollmacht und apostolische  Nachfolge zusammenfließt und weitergegeben wird. Von den Kritikern der Frauenordination wird in Zweifel gezogen, dass Frauen eine solche apostolische Lehr- und Leitungsvollmacht überhaupt innehaben können.

Solange es sich ‚nur’ um eine Priesterin handelt, kann man in eine benachbarte Gemeinde ausweichen, in der ein Mann priesterlichen Dienst tut. In ein benachbartes Bistums auszuweichen ist ungleich schwieriger. Und der Priester der Gemeinde ist dann ja möglicherweise zudem von der Bischöfin, und damit nach Ansicht der Gegner der Frauenordination: ungültig, geweiht.

Dass die Debatte sich nun schon über sieben Jahre hinzieht, ist vor dem Hintergrund der heftigen Auseinandersetzungen und der Sorge um eine Spaltung der anglikanischen Gemeinschaft verständlich. Nach Schätzungen der traditionalistischen Seite seien rund 20 Prozent der Mitglieder der Church of England gegen Frauen im bischöflichen Dienst.

In anderen Diözesen der anglikanischen Weltgemeinschaft gibt es bereits Bischöfinnen. Die erste Bischöfin, Barbara Clementine Harris, wurde 1989 zur Suffraganbischöfin der Episcopal Church of Massachusetts geweiht. Im Juni 2006 wurde mit Katharine Jefferts Schori dann zum ersten Mal eine Frau leitende Bischöfin einer anglikanischen Kirchenprovinz der ECUSA; sie war 2001 zur Bischöfin der Diözese Nevada gewählt und geweiht worden.

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3 Kommentare zu „2014 die erste anglikanische Bischöfin in England!?“

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