Glaubwürdig Alt-Katholisch

Hochzeit Tanja & Jens Schmidt

Am Neujahrs-Morgen um 7.55 Uhr wird eine 5minütige Sendung mit der Alt-Katholikin Tanja Schmidt aus Dresden auf mdr ausgestrahlt. Die Sendung heißt ‚glaubwürdig‘ und portraitiert Christinnen und Christen unterschiedlicher Konfession aus den Bundesländern Sachsen, Sachen-Anhalt und Thüringen vor dem Hintergrund der Frage, wie ihr christlicher Glaube in ihrem alltäglichen Leben Ausdruck findet.

Tanja Schmidt ist die Ehefrau des Dresdner alt-katholischen Pfarrers Jens Schmidt.

Der mdr hat dazu folgende Pressemitteilung herausgegeben:

Tanja Schmidt hat ihre geistliche Heimat in der Alt-Katholischen Kirche gefunden.

Davor lebte sie eine ganz normale Kindheit und Jugend in einer römisch-katholischen Gemeinde am Niederrhein. Als sie sich in den dortigen Pfarrer verliebte und ihre Liebe offen leben wollte, mussten beide die römisch-katholische Kirche verlassen.

Dem Paar war klar, dass es ohne eine Kirchengemeinde nicht leben will. So kam Tanja Schmidt zu den Alt-Katholiken. Das ist eine kleine Kirche, die in Deutschland nur rund 15.000 Mitglieder hat. Ehemann Jens wurde in den Dienst des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken übernommen und bekam eine Pfarrstelle in Dresden. So zogen beide in die sächsische Hauptstadt. Für Tanja Schmidt war das ein großer Einschnitt, schließlich konzentrierten sich die Ereignisse wie Offenlegung ihrer Beziehung zum Pfarrer, Konfessionswechsel, Hochzeit und Umzug auf wenige Wochen im Sommer 2010. Seit der kirchlichen Trauung in der neuen Gemeinde im Juli 2011 fühlt sich Tanja Schmidt nun wirklich angekommen in ihrem neuen Leben.

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10 Kommentare zu “Glaubwürdig Alt-Katholisch”

  1. Glaubwürdig Alt-Katholisch? Man muss ja nicht wie ich 30 Jahre brauchen um vom Römischen Katholiken endlich zum Alt-Katholiken zu werden. Die „Geschichte“ von Tanja und Jens Schmidt aber stimmt mich nachdenklich. Natürlich ist es schön wenn ein Priester eine Partnerschaft eingeht und natürlich ist es verständlich und gut wenn er Priester bleiben will. Bei dem fast schon „Sekundenbeitritt“ von Jens und Tanja Schmidt zur Alt-Katholischen Kirche und der Übernahme der Pfarrei in Dresden kann aber der Eindruck entstehen, lediglich der Umstand das man in der Alt-Katholischen Kirche verheirateter Priester sein kann habe zu dem besagten Schritt geführt. Das kann aber, gerade gegenüber der Öffentlichkeit, nur ein Aspekt sein! Und ob es Tanja und Jens Schmidt in der kurzen Zeit überhaupt möglich war, den Alt-Katholizismus kennen zu lernen, wage ich doch stark zu bezweifeln. Ich plädiere daher nach wie vor dafür, dass übertretende Priester vor Übernahme von geistlichen Aufträgen erst sich einmal in die neue Kirche einleben. Auch bei den meisten Laien stehen der Übertritt und die mögliche Aufnahme aktiver Tätigkeiten am Ende eines Prozesses und nicht am Anfang. Meine Meinung vertrete ich auch dann noch wenn ich vernehme das der neue „Dresdner Pfarrer“ gute Arbeit macht. Nach einem solchen Blitzübertritt aber auch noch als Zeuge für „Glaubwürdig Alt-Katholisch“ aufzutreten … ich weiß ja nicht. Dennoch natürlich herzlich willkommen Tanja und Jens Schmidt.

  2. @Manfred Backhausen

    Ich glaube, da liegt ein kleines Missverständnis vor, welches leicht einen vollkommen falschen Eindruck hinterlassen könnte.

    Römisch-katholische Priester, die alt-katholisch werden und weiterhin als Priester tätig sein wollen, werden nicht einfach via „Sekundenbeitritt“ übernommen und in Dienst gesetzt. Da geht ein längerer Prozess voraus, in dem der Bischof gemeinsam mit der Synodalvertretung die entsprechenden Kandidaten gründlich unter die Lupe nehmen. Priester, bei denen deutlich wird, dass sie vorrangig alt-katholisch werden wollen, um heiraten zu können, haben eigentlich keine Chance übernommen zu werden.

    Und natürlich haben sich die Beitretenden vor diesem Schritt schon gründlich mit der alt-katholischen Kirche auseinandergesetzt. Von einem ‚Blitzübertritt‘ kann m.E. daher nicht die Rede sein.

    Der Eindruck mag entstehen, weil die tatsächliche Konversion eines römisch-katholischen Pfarrers und seine Aufnahme der Arbeit in der alt-katholischen Kirche normalerweise sehr nah beieinander liegt. Das ist aber schlicht dem Umstand geschuldet, dass ein römisch-katholischen Priester, der zur alt-katholischen Kirche konvertiert, dann erst mal mit leeren Taschen da steht. Es ist auch wohl eher nicht der Regelfall, dass diese konvertierenden Priester noch eine Zusatzausbildung haben, mit der sie sich für eine Übergangszeit finanziell über Wasser halten können. Und selbst wenn sie eine solche Zusatzausbildung hätten müssten sie dann erst entsprechende Arbeit finden, die dann an einem ganz anderen Ort ist, als ihr bisheriger Lebensmittelpunkt, um dann – nach der von Ihnen eingeforderten Frist des Einlebens in die alt-katholische Kirche (wie lange soll diese Zeit denn eigentlich dauern?) – dann an möglicherweise einem wiederum vollkommen anderen Ort in den alt-katholischen kirchlichen Dienst zu gehen. Und die Partnerin, die ja möglicherweise auch berufstätig ist, hat natürlich die gleiche Flexibilität unter Beweis zu stellen und findet am jeweils neuen Ort natürlich immer auch wieder Arbeit. – Ich habe das Gefühl, dass dies doch etwas realitätsfern ist …

    Last but not least: Die Sendung heißt ‚glaubwürdig‘. Und es geht darum, wie Christinnen und Christen in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ihren christlichen Glauben leben (und das ist nicht unbedingt abhängig von der Frage der Konfession). Die Überschrift ‚Glaubwürdig Alt-Katholisch‘ für diesen Blog-Beitrag ist von mir selbst gewählt.

    Ich freue mich, dass der mdr uns nicht übersieht, sondern wir nun auch mit einem Beitrag in der Reihe auftauchen – das ist hervorragende Öffentlichkeitsarbeit in einer Region, in der wir noch wesentlich unbekannter und exotischer sind als im überwiegenden Rest der Republik.

  3. Lieber Walter,

    vielen Dank für Deinen Kommentar und die Richtigstellungen.

    Herr Backhausen ist immer sehr schnell mit dem Schreiben, ohne vielleicht einmal genauer nachzufragen.

    Die Beschäftigung mit der alt-katholischen Kirche ist für mich schon seit dem Theologiestudium vorhanden. Nur um einige Dinge noch einmal zu benennen.

    Seit meiner Priesterweihe 1994 benutze ich das alt-katholische Messbuch und andere Publikationen.

    Bin seit Jahren Abonoment der Kirchenzeitung „Christen heute“.

    Habe 1996 in meiner damaligen röm-kath Kaplansgemeinde an Pfingsten eine Glückwunsch-Karten-Aktion über Publik-Forum gemacht und der alt-kath Kirche zur Weihe der Frau gratuliert. Was nicht bei jedem Gemeindemitglied mit Verständnis beantwortet wurde.

    Seit meiner Priesterweihe habe ich nie im Hochgebet für den Papst, sondern immer „nur“ für den Bischof von Rom.

    Ich sehe es genauso, dass eine Konversion nur um heiraten zu können, auf Dauer nicht gut geht.
    Ein röm-kath Priester der alt-kath wird, sollte aus ganzem Herzen, die
    Synodalität unserer Kirche anerkennen,
    bereit sein mit Frauen den geistlichen Dienst zu teilen und lernen das das Leben den Vorrang hat, wie Pfrn. Henriette Crüwell in der neusten Kirchenzeitung schreibt.

    In den 18 Monaten, in denen ich alt-katholisch bin, habe ich an einigen Stellen auch die Erfahrung gemacht, dass Katholiken, die schon seit fast 30 Jahren „alt“ sind, oftmals noch ziemlich „römisch“ denken.
    Die wenig umsetzen von der Synodalität oder die Frauenordination ablehnen.

    Ich denke alt-katholisch sein, kann ich nicht von einer Zeit abhängig machen, sondern von der Herzensbildung und der Lebenshaltung und -einstellung.

    Nun ja, und die Sendung im MDR ist sicherlich nicht verkehrt. Die Gründe, hast Du Walter, ja schon für Herrn Backhausen beschrieben.

    In meiner alten Gemeinde am Niederrhein, wird der Schritt und die Art und Weise wie mein Frau Tanja und ich alt-katholisch geworden sind, als sehr glaubwürdig empfunden. Darum geht es doch, ob jemand seinen Glauben glaubwürdig lebt und sein Leben glaubwürdig gestaltet.

    Ich werde das Gefühl nicht los, dass Herr Backhausen ziemlich konfessionell eingeschränkt denkt. Ob er damit dann wirklich alt-katholisch ist, das mag jeder für sich selbst beurteilen. Ich jedoch halte dieses DEnken für ziemlich un-alt-katholisch.

    Mit lieben Grüßen

    Jens Schmidt

  4. Lieber Walter Jungbauer, danke für diese ausführliche Darstellung. Ich möchte dazu nur eines noch bemerken: Wenn ich schon als quasi Insider über die Darstellung und äußerliche Eile des Übertritts stolpere, wie mag das auf Außenstehende wirken? Natürlich können und sollen wir froh sein, gerade im „Osten“ auch zur Kenntnis genommen zu werden – aber ich bleibe dabei, das man hier zu diesem Zeitpunkt besser eine andere Person genommen hätte. Liebe Grüße und ein gutes neues Jahr 2012

  5. Lieber Walter Jungbauer, ich dachte bisher immer, es gäbe eine Nettikette für Ihren Blog. Die scheint für Herrn Schmidt nicht zu gelten. Letztlich ist mir sein recht ungezogener Stil aber egal. Um was es mir geht, hat Herr Schmidt leider nicht verstanden das zeigen seine Aufzählungen. Aber nicht verstanden zu werden ist letztlich auch kein Beinbruch für mich. Und ich werde mir auch weiterhin erlauben, meine Meinung zu schreiben oder zu sagen. Auch auf die Gefahr hin als „un-alt-katholisch“ hingestellt zu werden. Und dabei werde ich auch weiterhin vorher nachdenken, aber nicht vorher um Genehmigung bitten. Liebe Grüße Ihr Manfred Backhausen

  6. @ Jens Schmidt & Manfred Backhausen

    Zuerst mal: Ein gutes neues Jahr!!!

    Ich würde mir wünschen, dass wir respektvoll miteinander umgehen. Deswegen denke ich, dass wir uns nicht gegenseitig das ‚alt-katholisch-Sein‘ absprechen sollten. Auch die Unterstellung, dass es wohl vor allem die Möglichkeit des heiraten-könnens sei, was römisch-katholische Priester alt-katholisch werden lässt, finde ich in diesem Zusammenhang wenig hilfreich für einen respektvollen Umgang miteinander.

    Aber das neue Jahr bietet ja auch immer wieder neue Chancen.

  7. Zunächst mal: das war ein sehr schöner, sympathischer und informativer Beitrag, den ich jedem nur wärmstens zum Nachhören empfehlen kann!

    Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn ein römisch-katholischer Priester „nur“ wegen der Möglichkeit zu heiraten zu den Alt-Katholiken kommt? Sicher, wenn er vorher ständig gegen die Weihe Verheirateter oder gar von Frauen eingetreten ist, Synodalität und Offenheit gegenüber anderen Konfessionen als Teufelswerk verdammt hat, dann wird das wohl etwas unglaubwürdig wirken. Tatsache ist aber doch, dass viele Geistliche wie Laien in der römisch-katholischen Kirche sich Veränderungen erhoffen und leise in ihrem Umfeld dafür wirken. Sollen wir uns etwa wünschen, dass die alle alt-katholisch werden und das Feld, besonders die Erziehung der Jugend, ganz den Hardlinern überlassen? Ich für mein Teil bewundere es auch, dass sie dort durchhalten, auch wenn sie davon ausgehen müssen, dass die Veränderungen noch Jahrzehnte auf sich warten lassen könnten. Für das eigene Leben kann das aber im konkreten Fall zu lang sein, denn die Liebe und die Erkenntnis, dass man doch nicht zum lebenslangen Zölibat berufen ist, kann nicht Jahrzehnte warten. Also wenn dann für den einen oder anderen der Wunsch zu heiraten den Anstoß zum Übertritt gibt, dann sehe ich daran überhaupt nichts Anstößiges.

  8. @ Lucie Renner

    Der Übertritt aus einer anderen Kirche in die alt-katholische Kirche ist der Wechsel von einer Konfession in eine andere. Das gilt auch für den Wechsel von rk nach ak.
    Der wesentliche Unterschied der alt-katholischen Kirche zur römisch-katholischen Konfession ist die bischöflich-synodale Struktur, in der jedes Kirchenmitglied Mitsprache- und Mitentscheidungsrechte hat – statt nur die Geistlichkeit – und die Synode (frei übersetzt aus dem Alt-Griechisch: Die Gemeinschaft, die gemeinsam auf dem Weg ist) die oberste richtunggebende Instanz ist und nicht irgendein bischöflicher oder päpstlicher Hierarch.
    Der Wunsch eines Geistlichen zu heiraten ist im Vergleich dazu rein inhaltlich gesehen vollkommen zweitrangig.
    Ein Geistlicher, der zu uns konvertiert und in der alt-katholischen Kirche arbeiten will, sollte diesen strukturellen Grundsatz nicht nur nicht für falsch halten oder (notgedrungen) akzeptieren, sondern in seinem tiefsten Inneren davon überzeugt sein, dass die bischöflich-synodale Verfasstheit der Kirche für ihn der richtige, alt-kirchlich begründete Aufbau der Kirche ist, in der er arbeiten möchte. – Selbst für aufgeschlossene römisch-katholische Priester, die in ihrer rk Gemeinde bislang Mitsprache und Mitentscheidung gewährt haben, dürfte es nochmal eine ziemliche Herausforderung sein, dann auf Gemeinden zu treffen, in denen sie nur noch eine Stimme unter vielen sind und welche die Mitsprache und Mitentscheidung jedes Gemeindemitgliedes als selbstverständliches Grundrecht in Anspruch nehmen.
    Vielleicht wird aus diesen Ausführungen jetzt mehr klar, warum m.E. „nur“ der Wunsch zu heiraten eigentlich kein ausreichender Grund ist, als ehemals römisch-katholischer Priester mit dem Wunsch auf eine Festanstellung in die alt-katholische Kirche zu konvertieren.

    Und noch eine kleine Bemerkung zu der Anmerkung, dass viele in der rk noch auf Reformen hoffen: Die rk Kirche umfasst etwa die Hälfte (!) der weltweiten Christenheit. Die Reformkräfte und Reformwünsche innerhalb der rk Kirche sind überwiegend ein Phänomen eines Teils von Europa und vielleicht noch Nordamerika. Weltweit kann die römisch-katholische Kirche noch immer ein Mitgliederwachstum verzeichnen. Weltweit gesehen hat die römisch-katholische Kirche keinerlei Problem in Sachen Priesternachwuchs. – Ich frage mich: Woraus speist sich eigentlich die Hoffnung der Reformkräfte in der römisch-katholischen Kirche, dass sich die römisch-katholische Konfession in Richtung Alt-Katholizismus – synodal, ökumenisch, reformorientiert, tolerant, kein Zwangszölibat, Frauenordination, … – auf den Weg macht?????

  9. Es mag schon sein, dass das für konvertierte Priester dann doch eine größere Herausforderung ist als vorher angenommen (dazu könnten Sie, Pfr. Schmidt, wahrscheinlich mehr sagen). Nach meinen Beobachtungen in alt-katholischen Gemeinden ist der Pfarrer aber de facto keineswegs nur „eine Stimme unter anderen“, in der römisch-katholischen Gemeinde, in der ich mich bewege, hingegen muss der Pfarrer aufgrund seiner ständig gestiegenen Arbeitslast notgedrungen vieles delegieren und es halt einfach hinnehmen, dass nicht alles so läuft, wie er es lieber hätte. Wahrscheinlich hätten es die meisten rk Pfarrer auch lieber, wenn sie im Bistum mehr Mitspracherecht hätten und z.B. nicht ständig darauf gefasst sein müssten, dass der Bischof sie mal eben woandershin versetzt oder ihre engsten Mitarbeiter austauscht.
    Ich wollte eigentlich nur sagen, dass ich keinem unterstellen würde, er trete nur wegen des Heiratswunsches (oder in anderen Fällen, um als Wiederverheirateter oder in gleichgeschlechtlicher Beziehung Lebender akzeptiert zu werden) zur alt-katholischen Kirche über. Vielmehr nehme ich an, dass dem immer ein langer Prozess vorangegangen ist, von dem man äußerlich vielleicht nicht so viel wahrnimmt.

    Dass aber jemand ohne konkreten biographischen Grund von der rk zu ak Kirche übertritt, ist wohl äußerst selten, oder? Ehrlich gesagt wäre ich, wenn ich römisch-katholisch gewesen wäre, wahrscheinlich auch nicht ausgetreten (ich bin ja von der evangelischen zu alt-katholischen Kirche gewechselt), nur so aus ganz allgemeinen Erwägungen, die mich persönlich gar nicht betreffen.

    Was die Reformfähigkeit der rk Kirche betrifft, so neige ich auch eher zu Ihrer pessimistischen Einschätzung, aber wer weiß. Ändern wird sich hier mit Sicherheit einiges, wenn erst mal das ganze Umfeld weggefallen ist, das die Kirche finanziert ohne viel von ihr zu wollen und die Kirche ausschließlich auf die Ressourcen derer zurückgreifen muss, die wirklich zu allem eine Meinung haben.

  10. @ Lucie Renner

    In Blick auf die grundsätzliche Frage des ’nur‘ wg. Heirat Übertretens sind wir dann ja einer Meinung.

    Bei der Frage, ob immer ein ‚konkreter biographischer Grund‘ für den Übertritt vorliegt, muss wohl der Begriff ‚konkreter biographischer Grund‘ definiert werden. Die ‚ganz allgemeinen Erwägungen‘ wären auch nochmal zu besprechen. Wenn damit die von mir erwähnte bischöflich-synodale Struktur gemeint ist, dann möchte ich doch für mich in Anspruch nehmen, dass es sich hier – für mich – nicht um ‚ganz allgemeine Erwägungen‘ handelt, sondern um eine grundlegende Struktur von Kirche, die ganz eng mit meinem Verständnis vom Evangelium und von alt-kirchlicher Tradition der Kirche verknüpft ist. Und mein eigener Grund der Konversion (von rk nach ak) vor über 20 Jahren bestand darin, dass ich erkannte, dass die rk (aus meiner Sicht) auf Grund ihrer hierarchischen Struktur nicht wirklich reformfähig ist, und dass die Reformkräfte mit ihren (theologisch gut begründeten Anliegen) andauernd gegen fest gefügte Mauern rennen.

    Und bzgl. der Hoffnung auf Reformen in der römisch-katholischen Kirche: Ich gehe davon aus, dass es möglicherweise in den nächsten Jahren oder nahen Jahrzehnten eine Reform geben wird: Die Aufhebung des verpflichtenden Zölibats für die Geistlichkeit. Denn die ist – auch aus römisch-katholischer Sicht – lediglich eine Frage des Kirchenrechts. So haben die mit Rom unierten griechisch-katholischen Kirchen keinen verpflichtenden Zölibat für ihre Diakone und Priester. Erst die Bischöfe müssen Zölibatäre sein (wer also Bischof werden will oder sich dazu berufen fühlt, sollte auch als Diakon oder Priester nicht geheiratet haben …).
    Ansonsten erwarte ich aber keine durchgreifenden Reformen. In Afrika, Süd-Amerika und Asien leben rund 800 Millionen der weltweit 1.200 Millionen römischen Katholikinnen und Katholiken. In Europa (und das ist jetzt nicht nur West-Europa, in dem wohl die meisten reformorientierten rk Mitglieder zu finden sind) leben rund 280 Millionen. – Rom würde mit dem Nachgeben gegenüber Reformkräften eine tiefgehende Spaltung der rk Kirche zu befürchten haben, bei der Rom dann auf der Seite der Minderheit stünde. Ein m.E. äußerst unwahrscheinliches Szenario.

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