Evangelische Bischöfin Junkermann: Papst soll Protestanten als Kirche anerkennen

Landesbischöfin Ilse Junkermann (EKM) - Fotograf: Ich selber

Im Vorfeld des Papstbesuches in Deutschland hat die Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Ilse Junkermann, die Hoffnung geäußert, dass der Vatikan die Kirchen der Reformation auch als Kirchen ansehen würde, „und sie nicht nur als kirchliche Gemeinschaften zu bezeichnen, wie dies seit dem Jahr 2000 leider formuliert wird.“

Bedauerlicherweise ist zu erwarten, dass diese Hoffnung enttäuscht werden wird. Denn für die römisch-katholische Lehre ist der Begriff ‚Kirche‘ eng mit der Frage des römisch-katholischen Verständnisses der so genannten ‚Apostolischen Sukzession‘, und damit mit der Frage des Amtes, verknüpft. Unter dieser ‚Apostolischen Sukzession‘ wird die ununterbrochene rechtmäßige Nachfolge der Apostel verstanden, die von den Aposteln durch die Bischöfe bis heute fortgeführt wird. Diese Nachfolge wird durch die gültig gespendete Bischofsweihe übertragen, die nur Männern gespendet werden kann – sozusagen als ununterbrochene Linie der Handauflegungen von der Urkirche bis heute.

Christliche Gemeinschaften, welche sich aus römisch-katholischer Sicht nicht in der ‚Apostolischen Sukzession‘ befinden – und zu diesen zählen alle evangelischen Kirchen – werden daher von römisch-katholischer Seite nicht als ‚Kirchen‘ betrachtet, da sich deren Geistliche nicht in der ‚Apostolischen Sukzession‘ befinden.

Die alt-katholische Kirche hat hier eine etwas andere Auffassung: Sie hält zwar am so genannten dreigliedrigen kirchlichen Amt (Diakon/in – Presbyter/in – Bischof/Bischöfin) fest, „wie es sich in der Alten Kirche im Verlauf des 2. Jahrhunderts herausgebildet und bis zur Zeit der Reformation mit einer gewissen Konsistenz so gut wie überall durchgesetzt hat.“ Aber sie erkennt auch vor dem Hintergrund der Erkenntnisse der Theologie, dass sich die Urkirche in einer gewissen Vielfalt der Ämter entwickelt hat, die erst im Laufe des 2. Jahrhunderts in die heute in den katholischen Kirchen übliche Tradition eingemündet ist. Relativ gesichert ist daher nicht die Weitergabe ‚von Bischof zu Bischof‘, sondern lediglich die Tatsache, dass seit den Tagen der Apostel die Beauftragungen und Ordinationen durch die Auflegung der Hände und die Bitte um den heiligen Geist weitergegeben werden. „Dass die Ordinationsvollmacht seit vielen Jahrhunderten – nicht nur in der römisch-katholischen Kirche, sondern auch bei uns, bei den alten Kirchen des Ostens, in den anglikanischen und in manchen lutherischen Kirchen – eindeutig an das Bischofsamt gebunden ist, ist keine Einengung, sondern zeigt den Willen zu einem hohen Maß an Einheit und Verbindlichkeit innerhalb der Ortskirchen und für die Gesamtkirche.

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11 Kommentare zu “Evangelische Bischöfin Junkermann: Papst soll Protestanten als Kirche anerkennen”

  1. Interessant wäre es zu erfahren, wie Frau Junkermann oder die EKM den Begriff „Kirche“ definieren.

    Aus der Sicht der altkatholischen Kirche sind also christliche Freikirchen und Gemeinschaften, die keine Ordination durch Handauflegung kennen, keine Kirchen? Verstehe ich das richtig?

    Auf jeden Fall bringt der Besuch der Heiligen Vaters Schwung ins Land. Das ist doch erfreulich.

  2. Also ist die Sukzession keine Bedingung für die Kircheneigenschaft?

    Mit Arroganz hat das nichts zu tun. Es geht um objektive theologische Feststellungen. Eine Wertung ist damit auch nicht verbunden, schließlich wird niemanden das Christ-sein abgesprochen, sondern die Glaubensvorstellungen der Mitchristen respektiert. Alles andere wäre ignorant. Schließlich sagt ja auch keiner, es sei Arrogant von den Protestanten zu behaupten, der Papst sei nicht der Stellvertreter Christi auf Erden.

  3. @ Stefan Meyer: Das hängt von der Frage ab, wie die ‚Apostolische Sukzession‘ verstanden wird. Wie bereits ausgeführt ist die Struktur des dreifachen Amtes erst eine Entwicklung des 2. Jahrhunderts (das haben mir im Übrigen auch mein rk Neutestamentler und mein rk Kirchengeschichtler im theologischen Grundstudium so aufgezeigt). Es geht daher m.E. eher um die Frage der Weitergabe des apostolischen Glaubens. Und den sehen wir ja durchaus auch bei den evangelischen Kirchen gewahrt (siehe auch: „Vereinbarung über eine gegenseitige Einladung zur Teilnahme an der Feier der Eucharistie“).

  4. Meine Güte, da unterbieten sich beide Großkirchen gegenseitig im geistigen Niveau, und alle fallen darauf rein und spielen mit… Die Evangelischen sagen quasi infantil (d.h. transaktionsanalytisch aus dem Kind-Ich heraus): Bitte, großer Vatikan, hab uns wieder lieb, wir sind doch schließlich auch wer, sonst schmollen wir aber! Und die Katholiken – römische wie alt-katholische – zerbrechen sich den Kopf über „Sukzession“ per Handauflegung, als ob man den Heiligen Geist damit her- oder wegzaubern könnte. Das ist doch im Grunde nichts anderes als magisches Denken und von daher übers Heidnische nicht weit hinausgekommen. Abkrakadabra, simsalabim, wo ist bloß der „gültige“ Bischof hin? Harry Potter lässt grüßen! Haben die Kirchen denn keine anderen Sorgen angesichts des ganzen Elends in der welot?

  5. Ist denn die Gnade Gottes, die ein Priester vermittelt, keine Antwort auf das Elend dieser Welt?

  6. @ Jacobus Vox

    Dass Landesbischöfin Ilse Junkermann diese Forderung aufstellt, ist kein ‚Bitte, Bitte‘ um Anerkennung. Vielmehr fordert sie damit vom römischen Papst den Respekt der Evangelischen Kirche gegenüber ein, welcher der evangelischen Kirche gebührt; und eine solche Forderung halte ich durchaus für gerechtfertigt.
    Und hinsichtlich der Frage nach der ‚Apostolischen Sukzession‘: Unbenommen der vielen Notwendigkeiten, wo wir den Auftrag Christi in dieser Welt umsetzen sollen und müssen, ist das eine theologische Glaubensfrage, über die wir uns Gedanken machen müssen. Wenn wir uns als Kirche wegen der vielen sozialen und anderen Probleme, die es auf dieser Welt gibt, und um die wir uns als Christinnen und Christen kümmern sollten, verbieten, uns um theologische Fragen Gedanken zu machen, könnten wir auch zur Arbeiterwohlfahrt oder zu ‚Ärzte ohne Grenzen‘ o.ä. werden; da brauche ich dann auch keine Theologie.

    @ Stefan Meyer

    So richtig verstehe selbst ich als Priester diese Antwort nicht. Aber das liegt ja vielleicht daran, dass ich kein römisch-katholischer Priester bin … ?!

  7. Ich beziehe mich nicht nur auf äußeres Elend wie Hunger oder Krieg, sondern auf Gnade, die das Elend der einzelnen Menschen konkret beseitigt. So die Vergebung der Sünden in der Beichte, die Kraft Gottes in der Kommunion und die heilende Gegenwart in der Krankensalbung. Um nur einiges zu nennen.

    Als Priester könnten Sie sicherlich viele solcher Momente nennen. Die Antwort Gottes auf das Elend der Menschen ist ER selbst.

    Zudem gebe ich Ihnen völlig recht, dass die Kirche sich nicht nur auf die caritas beschränken kann. Diese ist eine von drei Aufgaben der Christenheit.

  8. @ Stefan Meyer

    Die Beichte (teilweise auch die Einzelbeichte) sowie die Feier des Abendmahles ist auch in den evangelischen Kirchen verbreitet – und da ich daran glaube, dass Gottes Liebe größer ist als unser (menschliches) Herz (vgl. 1 Johannes 3,20) bin ich sicher, dass Gott auch hier in seiner Gnade, seinem Heil und seiner Gegenwart wirkt.

    Dass die Krankensalbung – leider – nicht verbreitet ist, hängt sicherlich mit der in den Kirchen der Reformation nicht gerade großen Zeichenfreudigkeit zusammen (aber ich denke, dass auch die reformatorischen Kirchen mehr und mehr merken, dass der Mensch auch solcher Zuwendung bedarf, und nicht nur des Wortes).

    Und dass die Kirche reps. das Christ-Sein sich in den drei Aufgaben der ‚martyria‘ (Zeugnis geben), ‚leiturgeia‘ (die Feier des Glaubens) und ‚diakonia‘ (das Umsetzen des Glaubens in konkretes Tun) erfüllt, darin sind wir vollkommen einer Meinung (siehe dazu auch eine Predigt von mir: „Ewig-Heil-Versicherung“)

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