Ratzefummel – Papst-Visite in Erfurt

Ratzefummel auf der Krämerbrücke in Erfurt - Foto: ich selbst

Während sich der römisch-katholische Papst Benedikt XVI./Josef Ratzinger beim Weltjugendtag in Spanien aufhält und der koptisch-orthodoxe Papst Shenouda III. einen Friedenspreis erhält (womit erwähnt wäre, dass es nicht nur einen rk Papst gibt … ;-) ), bereitet sich die Thüringer Landeshauptstadt Erfurt immer stärker auf die am 23. September bevorstehende Papst-Visite vor.

In der Straßenbahn kann man Menschen mit dem Amtsblatt der Stadt Erfurt sehen, auf dessen Titelseite ein großes Bild des Papstes und ein Artikel über den bevorstehenden Besuch zu finden sind. In der Stadt sieht man hier und da schon eine Flagge an römisch-katholischen Kirchen und Gebäuden, die auf den Papstbesuch hinweisen. An allen Ecken und Enden gibt es in Erfurt mittlerweile Postkarten und Bücher zum Papst zu kaufen (selbst die Bahnhofs-

Päpstlich beflaggtes Haus in Erfurt - Fotograf: Ich selber

Buchhandlung hat ein kleines Extra-Regal reserviert – in trauter Zweisamkeit u.a. mit dem kritischen Theologen Hans Küng …). Auf der Krämer-Brücke können Interessierte einen ‚Original Ratzefummel’ erstehen, mit dem „Kleine Bleistiftsünden einfach wegradiert“ werden können (soll es bereits 2006 bei seinem Besuch in Bayern gegeben haben). Und je näher man dem Domplatz kommt, desto mehr intensivieren sich die Möglichkeiten sich mit päpstlichen Devotionalien einzudecken: Postkarten, Kerzen, Schlüsselanhänger, Abziehbildchen, Rosenkranz mit Papstportrait, päpstliche Kühlschrankmagneten und so weiter und so weiter – besonders der Kirchenladen hat verständlicherweise ein entsprechend reichhaltiges Angebot vorrätig – direkt neben einer ganzen Reihe an Martin-Luther-Produkten. Und den Hinweis zu einer Sondermünze, extra für diesen Papstbesuch geprägt, habe ich auch schon (im Schriftenstand einer evangelischen Kirche!) gefunden …

Benedikt XVI. in einem Schaufenster in Erfurts Innenstadt - Fotograf: ich selber

Ich bin schon gespannt, welche weiteren Merchandising-Produkte noch zu finden sein werden. In Freiburg soll ja sogar ein ‚Papst-Eis’ in den vatikanischen Farben gelb/weiß erhältlich sein; interessanterweise in den Geschmackssorten Marzipan und Schokolade. Vielleicht machen sich die Eis-Dealer in Erfurt ja noch eine Sonderkombination Mango/Vanille zu eigen (das müsste farblich hinkommen) und bieten diese Kombination dann zu einem päpstlichen Sonderpreis an …

Und wer nicht in die Nähe der entsprechenden Shops kommt, aber onlineaffin ist, kann sich selbstverständlich auch dort eindecken. Prominent auf der Website der Deutschen Bischofskonferenz (DBK): Kappen, Tassen, Taschen, Regenschirme, Sitzkissen, … – alles, was so manches Herz begehrt ist im Online-‚Papst-in-Deutschland-Shop’ zu kriegen. Den Ratzefummel habe ich allerdings nicht entdeckt …

Auch in der Blogosphäre gibt es mittlerweile einige Autorinnen und Autoren, die sich mit dem bevorstehenen Papstbesuch auseinandersetzen.

Kirchenladen-Schaufenster mit Papst-Devotionalien am Domplatz in Erfurt - Fotograf: Ich selber

Interessant finde ich hier beispielsweise den Artikel „Begegnung der zweiten Art …“ von Wolfgang Thielmann auf dem Weblog kollekte.info; er hat festgestellt, dass das von Seiten der evangelischen Kirche besonders hervorgehobene ökumenische 30-Minuten-Treffen zwischen dem römisch-katholischen Papst und dem EKD-Ratsvorsitzenden, welches im Evangelischen Augustinerkloster (in ihm war Martin Luther noch rk und Mönch) zu Erfurt stattfinden wird, auf der Präsentation der entsprechenden Informations-Website des Vatikan zum Deutschlandbesuch nahezu keine Erwähnung findet (dort werde das Dialog-Treffen nicht erwähnt, sondern lediglich angeführt, dass er eine Rede vor Mitgliedern des Rates der Evangelischen Kirche halte und an einem ökumenischen Gottesdienst teilnehme).

Papst-Postkarten in Hülle und Fülle in einem Laden in Erfurt - Fotograf: Ich selber

Ganz witzig fand ich noch die Entdeckung des Weblogs ‚Ana und Anda’, die in Karlsruhe eine Plakat-Kombination des Papst-Besuches mit einer Großflächenwerbung für den Film ‚Brautalarm’ gesehen haben; es entsteht der Eindruck, der Papst lade zum „Mitfeiern“ und „Miterleben“ beim „Brautalarm“ ein. Der Rest, den ich bisher zur Kenntnis genommen habe, waren entweder einseitige Jubel-Arien oder die m.E. genauso unmöglichen Hau-den-Papst-Blogs; differenzierte Auseinandersetzung ist etwas rar.

Ich hoffe nicht, dass dies darauf hindeutet, dass es hier beim Deutschland-Besuch zu ähnlichen Schlägerei-Szenen wie derzeit in Spanien kommt …

Und nochmal Ratzefummel ... diesmal im Kirchenladen - Fotograf: Ich selber
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5 Kommentare zu “Ratzefummel – Papst-Visite in Erfurt”

  1. „Kleine Bleistiftsünden einfach wegradiert“, diesen Radiergummi braucht sicher der ein oder andere rk Priester!

  2. Gut, dass diese Seite hier ‚kein offizielles Medium des Alt-Katholischen Bistums‘ ist, denn ich würde mir auch als Altkatholik schon eine differenziertere Betrachtung des Papstbesuches wünschen, als die Bemerkungen über Devotionalien, die als Randerscheinung doch immer auftreten und deren ironische Beschreibung hier wohl auch einen antirömischen Affekt gegen unsere Schwesterkirche erzeugen soll.

  3. @ Harri Weingärtner

    Danke für den kritischen Kommentar.

    Eigentlich ist der Beitrag nicht so sehr ironisch gemeint. Vielmehr erzählt er von Beobachtungen, die mir als jemand, der in Erfurt arbeitet und sich sehr gerne im Internet bewegt, im Vorfeld des päpstlichen Besuches in Erfurt aufgefallen sind.

    Die Beschreibung, dass Interessierte mit dem ‚Ratzefummel‘ „Kleine Bleistiftsünden einfach wegradieren‘ können, habe ich übrigens nicht erfunden, sondern können Sie selbst im ‚Kirchenladen‘ am Erfurter Domplatz finden (in dem es vorrangig für Katholiken interessante Produkte zu erstehen gibt).

    Und auch die zahlreichen Berichte in verschiedenen Zeitungen, die mittlerweile über Ratzefummel u.ä. berichtet haben, würde ich nicht allesamt unter den Verdacht ‚antirömischer Affekte‘ stellen.

    Wenn mich wirklich antirömische Affekte treiben würden, hätte ich eine ganze Reihe an Internetseiten und Weblogs gehabt („Hau-den-Papst-Blogs“ s.o.), auf die ich hätte verlinken können. Das habe ich bewußt nicht getan.

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