Neue Kirche notwendig???

Kirche "Sagrada Família" in Barcelona (Spanien) von Antoni Gaudí begonnen; seit 1882 im Bau - Foto: weisserstier - Quelle: flickr

Nachdem Stephan mich im Zusammenhang mit dem Artikel „Christkatholisch ist nicht Christ-Katholisch“ in seinem Kommentar gefragt hat, wie meine persönliche Meinung zum Thema „Neugründung einer Kirche“ und „Vaganten-Hintergrund der Leinauer“ ist, fange ich erst mal mit dem Thema „Neue Kirche“ an.

Historisch gesehen entstanden neue Konfessionen – sofern ich das recht sehe – im Regelfall aus einer Unzufriedenheit mit dem bisher Bestehenden heraus, aus einer inneren, subjektiven Einschätzung, dass das Bestehende nicht dem entspricht, was man selber als richtigen Glaubensweg in der Nachfolge Jesu Christi interpretiert. Zumindest war dies häufig der erste Ansatzpunkt. Danach kamen dann im Regelfall sehr schnell säkular-machtpolitische Fragen ins Spiel und überlagerten häufig genug die eigentlich religiöse Auseinandersetzung oder machten sich diese zu nutze, um ihr eigenes Spielchen zu spielen. Oder es waren ganz persönliche Interessen von Einzelpersonen, die entsprechenden Einfluss und entsprechende Macht hatten, die dann eine Spaltung durchzogen – der Ursprung unserer anglikanischen Schwesterkirche unter Heinrich VIII. ist hier, denke ich, durchaus ein Beispiel. Und natürlich kam es auch vor, dass diese machtpolitischen Fragen oder persönlichen Interessen der Ursprung der Spaltung waren – machtpolitische Fragen und persönliche Interessen, die dann religiös verbrämt wurden …

Ich denke, die säkular-machtpolitische Frage kann im aktuellen Fall hinsichtlich der Leinauer „Christ-Katholischen Kirche i.G.“ vernachlässigt werden.- Bleiben die religiöse Frage und die persönlichen Interessen.

Da ich Pater Klaus Schlapps von den Leinauern und die anderen dortigen Brüder zu wenig kenne, kann ich nicht einschätzen, ob hier möglicherweise persönliche Interessen mitspielen.

Allerdings habe ich in Blick auf die religiöse Fragestellung mittlerweile – auch vollkommen unabhängig von Leinau – den Eindruck gewonnen, dass es eine größere Gruppe an Christen – interessanterweise nach meiner bisherigen Wahrnehmung in der Tat überwiegend Männer – unterschiedlicher Konfession gibt, die auf der Suche nach einer hochkirchlich-konservativen Form von Kirchlichkeit sind, denen die Römisch-Katholische oder die Selbstständig Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK) aber gleichzeitig zu eng und zu exklusiv (ausschließend) ist, denen wir Alt-Katholikinnen und Alt-Katholiken aber wiederum zu liberal sind (vor allem die Frage unseres offeneren Umgangs mit dem Thema Homosexualität, abgeschwächt auch unsere Befürwortung der bei uns realisierten Frauenordination und die damit zusammenhängende Frage der Gleichberechtigung, aber auch die Frage unseres historisch-kritischen Umgangs mit der Bibel werden dort eher kritisch gesehen). – Auch das, was ich von einem anscheinend mariavitischen Schreiber auf der Plattform „Mensch und Kirche“ manchmal lese, geht nach meinem Empfinden in diese Richtung (ohne dass ich damit behaupte, dass die mariavitische Kirche solche Einstellungen vertritt; dazu kenne ich sie zu wenig).

Ich denke, es ist nicht verwunderlich, dass sich in diesen hochkirchlich-konservativen Kreisen auch Vernetzungen ergeben, wie sie ja auch aus der Link-Liste bei den Leinauern deutlich werden, wenn dort beispielsweise Links zur Thüringer Congregatio Canonicorum Sancti Augustini in Schwallungen und ins Evangelisch-lutherische Benediktinerkloster St. Wigberti in Wernigshausen (bei Erfurt / Thüringen) bestehen, deren Prior Franz Maria Schwarz sich ja auch vor zwei Jahren von einem Vaganten zum Bischof des „Hochkirchlichen Apostolats St. Ansgar“ weihen ließ (hatte einiges an Wirbel in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) verursacht …).

Ob das Ganze jetzt aber gleich zu einer Neugründung einer eigenständigen Kirche führen muss? Ist die „Lücke“, die sich hier aufzutun scheint, wirklich so groß, dass diese Christen keine echte Heimat in einer anderen, bestehenden Konfession finden können, und sich und ihre Kirchlichkeit nur über Vaganten-Weihen und eigene Zirkel beheimatet finden zu können meinen? – Das zu beantworten fällt mir noch sehr schwer, zumal ich einzelne Christen aus diesem Kreis kenne, denen ich die Ernsthaftigkeit ihrer Suche auch dann nicht bestreiten möchte, wenn ich persönlich ihre Motive und ihre Argumentationsweise für mich persönlich nicht nachvollziehen kann.

Dennoch bleibe ich allerdings dabei, dass ich es sehr unglücklich und ärgerlich finde, dass die Leinauer für ihre „Kirchengründung“ den Namen „Christ-Katholisch“ verwenden und damit eine Verwechslung mit den Alt-Katholischen Kirchen der Utrechter Union und unserer schweizer Christkatholischen Kirche schon regelrecht provozieren.

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5 Kommentare zu „Neue Kirche notwendig???“

  1. Kommentar zum Beitrag von Walter Jungbauer über „Neue Kirche notwendig“?

    Lieber Walter,

    Deinem guten Artikel darüber, ob eine neue Kirche notwendig ist, stimme ich in manchen Punkten zu, doch nicht in allen. Es muss doch wohl untersucht werden, warum die alt-katholischen Kirchen der Utrechter Union – und hier insbesondere das „Katholische Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland“ – so wenig Zulauf haben und in der Öffentlichkeit weitestgehend unbekannt sind sowie aus welchen Gründen Leute alt-katholisch werden bzw. die alt-katholischen Kirchen wieder verlassen. Hierzu meine Meinung zu früher Morgenstunde kurz vor 2 Uhr des heutigen Diensttages.
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    Wer Wind sät – wird Sturm ernten!

    Der Alt-Katholizismus ist einst als Antwort auf die Beschlüsse des ersten Vatikanischen Konzils zur Unfehlbarkeit des Papstes in Sachen des Glaubens und der Moral sowie dessen Universalprimat entstanden. Manche Katholiken, darunter besonders akademisch Gebildete, waren damit nicht einverstanden, und es entstanden bald darauf in verschiedenen europäischen Ländern sogenannte alt-katholische Kirchen. Sehr beeindruckt müssen die Beschlüsse des ersten Vatikanischen Konzils aber die Katholiken nicht haben. Eine Massenbewegung wurden die alt-katholischen Kirchen nie! Nach anfänglichen Erfolgen ging die Anzahl der Alt-Katholiken kontinuierlich zurück. Das Brockhauskirchenlexikon schreibt zwar, dass es weltweit über 6 Millionen Alt-Katholiken geben soll. Eine stattliche Zahl! Doch bekennen sich davon nur 70.000 zur Utrechter Union. Von diesen gehören etwas mehr als 15.000 zum deutschen Bistum und nicht 25.000 mit „steigender Tendenz“, wie es noch unter Bischof Vobbe hieß. Die Alt-Katholiken in den Niederlanden mit dem Erzbischof von Utrecht kommen nur noch auf etwa 5.000 alt-katholische Christinnen und Christen. Neben dem „Weglaufen“ von Mitgliedern und Sterbefällen bedrücken finanzielle Sorgen die alt-katholischen Kirchen! In Österreich erscheint seit Anfang des Jahres 2010 die alt-katholischen Bistumszeitung nicht mehr monatlich, sondern nur noch viermal im Jahr. In der Schweiz musste wegen der prekären Finanzlage die Erscheinungsweise der dortigen christkatholischen Bistumszeitung auch reduziert werden. Es steht also nicht gut um den Alt-Katholizismus!

    Keine Mitwirkung und Mitbestimmung der Laien in der Utrechter Union

    Die alt-katholischen Kirchen betonen immer wieder die Synodalität, die Mitwirkung und Mitbestimmung der sogenannten Laien im Gegensatz zur römisch-katholischen Kirche. Doch wie sieht es damit in Wirklichkeit aus? Auf höchster alt-katholischer Ebene, der Utrechter Union, haben allein die Bischöfe das Sagen und die Laien bleiben „außen vor“. Da kann man doch lieber gleich in der römisch-katholischen Kirche bleiben und sich den Weg zu den im Allgemeinen nicht um die nächste Ecke liegenden alt-katholischen Gottesdienststätten sparen, So und ähnlich äußern sich manche Leute.

    Ende des Alt-Katholizismus in Italien

    Wegen gewisser Querelen bei den italienischen Alt-Katholiken wurde der dortige Alt-Katholizismus seitens des schweizerischen bischöflichen Delegaten Dr. Rein und der Utrechter Union kurzerhand „beerdigt“, sodass es in Italien keine alt-katholischen Gemeinden Utrechter Prägung mehr gibt. Ein Armutszeugnis! Besonders auch für Bischof Dr. Rein, der sich nicht in die Lage der italienischen Alt-Katholiken hineinversetzen konnte und zu wenig bzw. gar nichts zur Behebung der aufgetretenen Schwierigkeiten tat. Und dies „segneten“ die übrigen Bischöfe der Utrechter Union auch noch ab.

    Vollmundig wurde verkündet, dass die italienischen Alt-Katholiken nun bei den alt-katholischen Partnerkirchen unterkommen könnten. Unter „Partnerkirchen“ meinte man die amerikanischen und englischen Anglikaner und ohne sie namentlich zu nennen. Hierzu war die Meinung der italienischen Alt-Katholiken aber nicht gefragt. Die Folge davon ist, dass drei früher alt-katholische Gemeinden die von „oben“ verfügte Zuweisung zu den Anglikanern nicht mitmachten und sich der „Polish National Catholic Church (PNCC)“ unterstellten!

    Die Utrechter Union will sich nun auf die „traditionellen alt-katholischen Kerngebiete“ beschränken, also auf die Länder, wo es mit dem Alt-Katholizismus schon seit Jahren bergab geht und nichts mehr zu holen ist.

    Unmögliche Behandlung der alt-katholischen Mariaviten

    Seit vielen Jahren liegt ein Wiederaufnahmeantrag der alt-katholischen Mariaviten in die Utrechter Union vor. Dieser Antrag liegt jedoch auf Eis. Man gewährte den Mariaviten lediglich für einen gewissen Zeitraum einen „Gaststatus“ in der Utrechter Union. Grund für die Nichtaufnahme der Mariaviten ist die Jurisdiktionsfrage. Die Mariaviten sowie die Polnisch-Katholische Kirche sollen ohne Rücksicht auf ihre unterschiedliche Tradition fusionieren. Seitens der alt-katholischen Mariaviten wird aber auf ihre frühere Unterdrückung durch die römisch-katholische Kirche sowie die Verfolgung seitens der seinerzeitigen nationalsozialistischen und später kommunistischen Machthaber hingewiesen. Die Polnisch-Katholische Kirche sei hingegen in gewisser Weise von den Kommunisten gefördert worden.

    Merkwürdig ist es schon, dass die Jurisdiktionsfrage für eine Mitgliedschaft in der Utrechter Union „hochgekocht“ wird. Gibt es doch in Europa bei den in voller Kirchengemeinschaft mit den Alt-Katholiken stehenden Anglikanern amerikanischer und englischer Prägung ebenfalls zwei unterschiedliche Jurisdiktionen, die nicht zugunsten der Alt-Katholiken aufgegeben werden. Außer gelegentlichem „Gegrummel“ war dazu bisher nichts zu hören.

    Im Übrigen gibt es in zumindest in Europa – und dazu auch in Deutschland – eine Vielzahl orthodoxer Kirchen. So auch zwei russisch-orthodoxe Kirchen – einmal des Moskauer Patriarchates und zum anderen die Exilkirche – ohne dass dies negative Folgen hatte und wegen der Jurisdiktionsfrage von irgendeiner Seite interveniert wurde.

    Wer tritt den alt-katholischen Kirchen bei?

    Die Frage des Beitrittes zu den alt-katholischen Kirchen ist sehr einfach zu beantworten. Es handelt sich überwiegend um römisch-katholische Christinnen und Christen, die mit ihrer Kirche nicht mehr zurechtkommen und an ihr leiden. Im Klartext also Geschiedene, Homosexuelle, Lesben und Geistliche, die heiraten wollen. Aber natürlich nicht nur. Es gibt ebenfalls einige evangelische Christinnen und Christen der hochkirchlichen Richtung, denen die römisch-katholische Kirche aus vielerlei Gründen nicht zusagt.

    Bezüglich der jetzigen alt-katholischen und früher römisch-katholischen Geistlichen bleibt anzumerken, dass diese zumindest in Deutschland bei Weitem die Mehrheit im alt-katholischen Klerus haben. Manche Leute fragen sich dabei, ob das „Heiratenwollen“ römisch-katholischer Priester allein ein hinreichender Grund für eine Aufnahme in die alt-katholische Kirche ist. Vorher störte sich dieser Personenkreis nicht am Papst und den römisch-katholischen Dogmen. Um endlich heiraten zu können und eine finanziell abgesicherte Pfarrstelle zu bekommen, wird dies auf einmal alles abgelehnt. Es ist auch hin und wieder davon zu hören, dass einige dieser Pfarrer ihren „römisch-katholischen Eierschalen“ noch nicht entschlüpft sind und sich in ihrer Gemeinde wie „Pfarrherren“ aufführen.

    Utrechter Union weiter auf klein, klein

    „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, heißt es in einem Lied von Reinhard Mey. Für die alt-katholischen Kirchen der Utrechter Union gilt dies aber nicht. Statt endlich zu einer Größe in der Ökumene zu werden und die nach dem Ökumenebrockhaus weltweit zerstreut wirkenden 6 Millionen Alt-Katholikinnen und Alt-Katholiken zu sammeln, schmort man lieber im eigenen Saft, wurstelt vor sich hin und bleibt unter sich auf einige Länder Europas beschränkt. Die Utrechter Union muss endlich auch in anderen Erdteilen aktiv werden, wenn sie auf Dauer überleben will. Leider fällt der Utrechter Union mit ihren 70.000 Mitgliedern gegenüber den außerhalb von ihr stehenden 6 Millionen alt-katholischen Gläubigen nichts Besseres ein als ständig die schon Staub angesetzte „Vagantenkeule“ aus dem Keller zu holen! Die Utrechter Union mit ihren wenigen Mitgliedern glauben den Alt-Katholizismus in „Erbpacht“ genommen zu haben und suchen krampfhaft nach Fehlern in der apostolischen Sukzession der anderen und betrachten sie nur als „Alt-Katholiken“ mit Anführungszeichen. Durch solchen „Kinderkram“ und Beharren auf klein, klein wird die Utrechter Union niemals in der Ökumene eine ernstzunehmende Bedeutung haben.

    Alt-Katholische Kirche – ein Name von vorgestern

    Nicht wenige Alt-Katholikinnen und Alt-Katholiken nehmen schon seit vielen Jahren Anstoß an dem nach ihrer Meinung unmöglichen Namen ihrer Kirche. Und nicht nur sie. Suchende – also mit ihren Kirchen Unzufriedene – können mit dem alt-katholischen Kirchennamen nichts anfangen. Sie meinen, dass es sich bei den Alt-Katholen um Leute von vorvorgestern handelt. Mit so etwas will niemand etwas zu tun haben. „Alt“ fühlt man sich nicht und will es auch nicht sein. Der Hinweis auf die Kirche der ersten Zeit zieht nicht. Also müsste ein neuer und besserer Kirchenname her. Doch weit gefehlt! Die alt-katholischen Kirchenleitungen stellen sich taub, sperren sich vehement gegen jedwede Änderung und arbeiten im gewohnten Trab des Alten weiter. Not täte eine breite Diskussion innerhalb aller sich alt-katholisch nennenden Kirchen nach einem neuen und für die heutige Zeit passenden Namen.

    Port Royal gründet Christ-Katholische Kirche in Deutschland

    Die Behandlung des Abtes Klaus Schlapps vom Orden von Port Royal durch die Kirchenleitung des „Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland“ war unangebracht und unangemessen. Aufgrund dem Vernehmen nach vager Vorwürfe eines Drogenabhängigen wurde Abt Schlapps die Ausübung seiner Priestertätigkeit vorläufig untersagt. Freundlicher ausgedrückt ruhte sein Priesteramt. Das Bistum wies dem plötzlich in Leinau ohne Priester dastehenden Orden aber keinen „Aushilfspriester“ zu. Ohne Priester zu sein – eine Unmöglichkeit für eine Klostergemeinschaft. Auch lehnte der Bischof die Einweihung des neuen Klostergeländes ab. Ebenfalls gab es nun Kritik an den Gewändern der Ordensgemeinschaft und an dem Fehlen eines sogenannten „Volksaltares“. Vergessen hatte man dabei offenbar, dass es nicht überall bei Alt-Katholens „Volksaltäre“ gibt, dies jeder Kirche selbst überlassen bleibt und toleriert wird. Bis auf zwei Mitglieder fühlten sich die Ordensangehörigen von Port Royal zunehmend aus der deutschen alt-katholischen Kirche ausgegrenzt, und es wurde in Konsultation mit anderen Kirchen nach einer Alternative gesucht.

    Diese Alternative wurde bald gefunden. Man gründete schließlich die „Christ-Katholische Kirche in Deutschland“ und mit Bindestrich in Abgrenzung zu den der Utrechter Union angehörenden Schweizer Christkatholiken. Ein sehr attraktiver Name, wie ohne Umschweife Freunde und Gegner der Kirchengründung zugeben. Inzwischen sollen die Christ-Katholiken bereits vier Gemeinden in Deutschland haben. Wie zu hören ist, stellte die Staatsanwaltschaft inzwischen die Ermittlungen gegen Abt Klaus Schlapps ein.

    Es kann wohl davon ausgegangen werden, dass sich die „Christ-Katholische Kirche in Deutschland in absehbarer Zeit einer neu zu gründenden Gemeinschaft außerhalb der Utrechter Union stehender alt-katholischer Kirchen anschließen wird. In diesem Zusammenhang ist im Juli dieses Jahres der Pfarrer Rould Nikolai Flemestad zum Bischof der „Nordisch-Katholischen Kirche“ geweiht worden.

    Die Mitgliederzahlen der „Christ-Katholischen Kirche in Deutschland“ werden sich ähnlich wie bei anderen alt-katholischen Kirchen wohl in Grenzen halten. Doch sind die Christ-Katholiken sicher ein Stachel im Fleisch des deutschen alt-katholischen Bistums der Utrechter Union. Dank der Kirchensteuer und dem damit gesicherten Einkommen wird sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein deutscher alt-katholischer Pfarrer den Christ-Katholiken anschließen. Niemand will sich schließlich einer finanziell ungesicherten Zukunft aussetzen.

    Mit freundlichem Gruß und guten Wünschen

    Alfons Fischer

  2. Hallo Alfons,

    schön von Dir zu hören.

    Allerdings schlägst Du gleich mit einer Fülle von Themen hier ein, die ich in Teilen nicht beantworten kann, da es sich meines Wissens lediglich um Gerüchte handelt. Bei anderen Themen werde ich versuchen, meine Sichtweise zu formulieren, die von Deiner sicherlich abweicht.

    Vorausgeschickt noch mein Bedauern, dass Du Deine Kritik in dieser Offenheit erst nun anbringst, nachdem Du aus der Alt-Katholischen Kirche ausgetreten und in die Römisch-Katholische eingetreten bist.

    Die Frage nach der Zahl der Alt-Katholiken: Wir sind in der Gemeinschaft der Alt-Katholischen Kirche der Utrechter Union in der Tat nicht mit allen Kirchen in Gemeinschaft, die sich selber „Alt-Katholisch“ nennen. Unser Name ist ja leider kein geschützter Begriff, und wenn Du Dich ernsthaft in den entsprechenden Kreisen umschaust, wirst Du ein buntes Sammelsurium von „Kirchen“ finden, die sehr unterschiedliche Ideen und Ansichten vertreten. Von daher führt Deine These, dass sich die „alt-katholischen Kirchen“ doch zu einer großen Gemeinschaft zusammenschließen sollten, etwas in die Irre.

    Dass viele dieser „Kirchen“ in der gesamten Vagantenszene anzusiedeln sind, lässt sich im Regelfall auch sehr schnell aufzeigen. Warum ich insgesamt ein kritischeres Verhältnis zum Thema „Vaganten“ habe, als ich es aus Deinem Kommentar herauslese, wollte ich noch in einem eigenen Beitrag erörtern. Allerdings möchte ich das nicht zu oberflächlich machen und muss daher erst ausreichend Zeit dafür finden. Allerdings schon mal kurz der Hinweis: Es gilt für mich der Grundsatz, dass der priesterliche Dienst ohne Gemeinde und der bischöfliche Dienst ohne Kirche nicht sinnvoll sondern aus verschiedenen Gründen widersinnig ist, weswegen ich die Haltung der Alt-Katholischen Kirchen der Utrechter Union, solche Vaganten-Weihen und Weihen aus solchen Linien nicht anzuerkennen, vollkommen nachvollziehen kann. – Und wenn Slovenien keine Geduld haben konnte, und den eigenen gewählten Bischof unbedingt von einem Vaganten weihen lassen musste, statt auf die Weihe im Rahmen der Utrechter Union zu warten (es wird schon seinen Grund gehabt haben, dass da nicht sofort eine Weihe durchgezogen wurde), ist es auch nicht verwunderlich, dass die Utrechter Union dann die Gemeinschaft nicht aufrecht erhält.

    In Sachen Synodalität: Die Alt-Katholischen Kirchen der Utrechter Union sind selbständige Alt-Katholische Kirche, die in der Utrechter Union zusammengeschlossen sind. Die wesentlichen Entscheidungen der jeweiligen Ortskirchen werden im Rahmen dieser Ortskirchen beschlossen. Und dort gibt es ja dann die Synoden, wo die gesamte Kirche gemeinsam diskutiert und entscheidet.
    Nur wenn es um grundlegende Fragen des Glaubens geht, muss ein Konsens in der Internationalen Bischofskonferenz (IBK) hergestellt werden, um die Gemeinschaft der Kirchen zu wahren. Hier sehe ich allerdings auch die Aufgabe dann bei den Bischöfe, da diese die ‚Espicope‘, die Aufsicht über ihre Kirchen haben, und die Verantwortung tragen, dass die Kirche im rechten apostolischen Glauben verbleibt. Solche Glaubensfragen bzw. die Frage, ob die Kirche weiterhin im apostolischen Glauben steht, sind der Synodalität m.E. entzogen. Deswegen sind die Alt-Katholischen Kirchen ja auch Bischöflich-Synodal und nicht Synodal-Bischöflich (was auch schon mal als Vorschlag geäußert wurde …). – Es stellt sich also schlicht die Frage: Welchen Sinn und Zweck hätten synodale Gremien auf IBK-Ebene? Was wird denn da, wie von Dir behauptet, so wesentliches entschieden, worauf die Synoden der Ortskirchen dann keinen Einfluss mehr hätten, sondern was sie als Gottgegeben hinnehmen müssten? Mir ist nichts bekannt.

    Um die Italien-Geschichte gibt es sehr viele Geschichten und sehr viele Gerüchte, die, soweit ich bisher beobachtet habe, immer in der jeweiligen Version – und Schuldzuschreibung – von jeweils interessierter Seite entsprechend weitererzählt werden. Ich werde mich an entsprechenden Spekulationen daher nicht beteiligen. Man erliegt hier viel zu leicht der Version einer der interessierten Seiten.

    Dass die Leinauer Brüder uns verlassen haben, ist bedauerlich. Allerdings finde ich es auch, wie bereits deutlich gemacht, doch sehr erstaunlich, dass sie dann jetzt gleich eine eigene Kirche gründen müssen, und Klaus Schlapps (soweit ich gehört habe und aus den entsprechenden Bilder deutlich wird) dann auch gleich wieder seine Vaganten-Bischofsweihe meint aufleben lassen zu müssen … das kommentiert sich eigentlich schon selber.

    Und zuletzt noch kurz zu den Mariaviten: Ich finde es gut, wenn sich die Alt-Katholische Kirche hier Zeit lässt. Der Gast-Status in der IBK ist ausreichend. Erst mal schauen, ob man wirklich zusammenpasst. Wir müssen hier nicht gleich eine Gemeinschaft schließen, in die Utrechter Union aufnehmen, um dann wieder nach kürzerer oder längerer Zeit festzustellen, dass man doch irgendwie nicht miteinander kann und unterschiedliche Ideen von Kirche und Ziele verfolgt. – Wenn wir zueinander passen, werden wir auch noch zueinander finden. Keine Eile. Es rennt nichts weg und es brennt nichts an. – Und wir werden das dann innerhalb der Alt-Katholischen Kirche entscheiden, wenn wir meinen, dass der rechte Zeitpunkt da ist.

    Walter

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