80 Jahre Ökumene-Vorbild

Von links nach rechts: Bischof Dr. Matthias Ring & Bishop Pierre Whalon bei einer Eucharistiefeier auf dem ÖKT 2010 in München - Foto: Alfons Fischer

Gerade eben wurde von Seiten des Bistums unter dem Titel „80 Jahre Ökumene-Vorbild“ eine Pressemitteilung zum 80-Jahr-Jubiläum der Kirchengemeinschaft zwischen Anglikanischer Kirchengemeinschaft und den Alt-Katholischen Kirchen der Utrechter Union veröffentlicht:

Die weltweite Anglikanische Kirchengemeinschaft und die Alt-Katholischen Kirchen der Utrechter Union feiern 80 Jahre Kirchengemeinschaft

Am 2. Juli 1931 wurde in Bonn das sog. »Bonner Abkommen (Bonn Agreement)« von Vertretern der Anglikanischen Kirchengemeinschaft und der Alt-Katholischen Kirchen der Utrechter Union verabschiedet. Damit wurde die volle kirchliche Gemeinschaft (»Full Communion«) zwischen beiden Kirchen besiegelt. 80 Jahre danach gibt es lebendige und vielfältige Beziehungen zwischen beiden Kirchen auf nationaler wie internationaler Ebene. »Katholizismus zwischen Tradition und Innovation« lautet der Titel eines mit Vertretern beider Kirchen besetzten Podiumsgesprächs am 17. Juni 2011 (Beginn: 19.30 Uhr im Universitätsclub Bonn) im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten. Am 18. Juni um 11.00 Uhr findet ein feierlicher Festgottesdienst in der Bonner alt-katholischen Pfarrkirche St. Cyprian statt (Adenauerallee 61). Die Liturgie leiten der Bischof der Episcopal Churches in Europe (anglikanische Kirche), Bischof Pierre Whalon, und der Bischof des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland, Bischof Dr. Matthias Ring.

»Uns verbindet so vieles«, meint Bischof Whalon. »Wir sind beides Katholiken der ungeteilten Kirche des 1. Jahrtausends.« Dies bringt auch der erste des insgesamt drei Sätze umfassenden »Bonn Agreement« zum Ausdruck: »Jede Kirchengemeinschaft anerkennt die Katholizität und Selbständigkeit der anderen und hält die eigene aufrecht.« In Zeiten wortreicher ökumenischer Erklärungen ist die Bonner Erklärung mit ihren drei kurzen, aber ungemein prägnanten Sätzen und der gegenseitigen Offenheit für die Verschiedenheit des jeweils anderen Partners noch immer ein ökumenisches Vorbild.

Auch Bischof Dr. Ring betont die gemeinsame Sendung beider Kirchen: »Unser Auftrag ist es, einen modernen Katholizismus zu leben, ohne für beide Kirchen wesentliche katholische Traditionen über Bord zu werfen.«
Mit diesen katholischen Tradition vereinbar ist sowohl nach Ansicht der Anglikaner wie der Alt-Katholiken zum Bespiel die Zulassung von Frauen zu allen geistlichen Ämtern. In beiden Kirchen gibt es Diakoninnen und Priesterinnen, in den anglikanischen Kirchen in den USA und Australien auch  Bischöfinnen.

Beide Kirchengemeinschaften sind unabhängige, nicht dem Papst unterstehende katholische Kirchen. Die »Mutterkirche« der Anglikanischen Kirchengemeinschaft, die Kirche von England (Church of England), trennte sich während der Reformationszeit von der römisch-katholischen Kirche. Die alt-katholischen Kirchen der Utrechter Union entstanden aus Protest gegen das 1. Vatikanische Konzil (1870/71) und die dort verkündete Unfehlbarkeit und den Jurisdiktionsprimat des Bischofs von Rom (Papst).

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8 Kommentare zu “80 Jahre Ökumene-Vorbild”

  1. Als Außenstehender ist mir der Inhalt nicht ganz klar. Es herrscht volle Kirchengemeinschaft, aber es sind weiter zwei Kirchen? Ist es das Ziel diese Doppelstruktur irgendwann aufzulösen oder verhindern die unterschiedlichen Riten dies?

    Muss man sich Kirchengemeinschaft vorstellen wie bei den unierten katholischen Kirchen der Ostriten?

  2. @ Stefan Meyer

    Es ist eine Gemeinschaft in der Vielfalt. Der Punkt 1 des „Bonn Agreement“ macht das, denke ich, deutlich: „Jede Kirchengemeinschaft anerkennt die Katholizität und Selbständigkeit der andern und hält die eigene aufrecht.“ (vgl. zur Kirchengemeinschaft auch: Wir leben in voller Kirchengemeinschaft.)

    Von daher m.E. auch der Vorbildcharakter für die Ökumene. Wie aus den letzten Gesprächsprozessen der evangelischen und der alt-katholischen Kirche mit der römisch-katholischen Kirche deutlich wird (siehe Rückkehr-Ökumene ist erledigt und Auf dem Weg zur Kirchengemeinschaft mit Rom, ist die Gemeinschaft in der Vielfalt anscheinend ein Weg, mit dem sich mittlerweile auch die römisch-katholische Kirche anzufreunden beginnt.

    Wie genau die Kirchengemeinschaft der römisch-katholischen Kirche mit den griechisch-katholischen Kirchen aussieht, ist mir nicht in allen Einzelheiten klar. Allerdings ist es, wenn ich recht sehe, eine klare Anerkennung des päpstlichen Primates in der Form, wie sie auch innerhalb der römisch-katholischen Kirche für das päpstliche Amt vertreten wird. – Da weder die alt-katholischen Kirche der Utrechter Union noch die Anglikanische Kirchengemeinschaft ein „Oberhaupt“ mit dieser Machtfülle besitzen – und auch gar nicht besitzen wollen -, stellt sich diese Frage entsprechend nicht.

    Herzlich grüßt

    Walter Jungbauer

  3. Verzeihung, wenn ich nachfragen muss, aber mir ist das Wesen dieser Kirchengemeinschaft nicht klar.

    Besteht die Gemeinschaft in der Zulassung zu den Sakramenten?
    Oder im gleichen Glaubensinhalt? Warum dann noch zwei Gemeinschaften? Wegen der Historie?

    Bei den unierten-katholischen Kirchen wird der Glaubensinhalt in allen Punkten geteilt (also natürlich auch der Glaube an das Petrusamt), es werden lediglich unterschiedliche Riten gefeiert und für weltliche Formalitäten ein eigenes Kirchenrecht angewandt (bekanntestes Beispiel ist der Zölibat).

    Sie haben den Punkt schon getroffen warum ich Schwierigkeiten habe, den Sachverhalt zu begreifen. Nach katholischem Glauben gilt „ubi Petrus ibi ecclesia“. Daher heißt Einheit für mich die Zugehörigkeit zu der einen Kirche in dem einen Glauben unter dem einen Hirten. Daher bin ich gespannt zu begreifen, wie andere Einheitsmodelle aussehen könnten. Leider ist mir das noch nicht gelungen. Danke für die Geduld.

  4. @ Stefan Meyer

    Ganz kurze Rückfrage: Wo in der Historie / bei den Kirchenvätern / in der Schrift finden Sie die Aussage „ubi Petrus ibi ecclesia“? – Die Aussage „ubi episcopus ibi ecclesia“ ist mir bekannt. Das bezieht sich allerdings auf den Bischof sehr allgemein, nicht auf Petrus resp. dem Bischof, der auf dem Bischofsstuhl von Rom sitzt im besonderen.

  5. Das hat zwar nichts mit meiner Frage zu tun und ein Theologe könnte dies sicherlich ausführlicher Beantworten.

    Ein Beispiel aus frühchristlicher Zeit, nämlich der hl. Kirchenvater Irenäus von Lyon (135- 202), sagte: „Denn mit dieser Kirche (Kirche von Rom) müssen infolge ihrer wirksameren Führerschaft alle (anderen) Kirchen allerorts übereinstimmen, da in ihr Christen aller Orte die apostolische Überlieferung unversehrt erhalten haben“.

    Die Aussage über die Bischöfe stimmt aber natürlich auch. Da es aber auch arianische und donatistische Bischöfe gab, ist klar, dass die Zusage Jesu gegenüber der Kirche (Bestand im Glauben) wohl nicht auf einen Ortsbischof allein beziehen kann.

  6. @ Stefan Meyer
    Nun ja, dass wir in Sachen Primat unterschiedlicher Ansicht sind, dürfte klar sein. Wir können als katholische Kirche unsere skeptische Haltung gegenüber dem Papst-Amt in seiner jetzigen Form gut begründen. Und Sie bleiben bei Ihrer Haltung. Auch aus Ihrer Sicht gut begründet. – Das ist ja auch einer der Knackpunkte im Ökumenischen Gespräch mit der römisch-katholischen Kirche.

    Zurück zur Hauptfrage: Einheit muss nicht immer die Form eines Einzellers haben. Ziehen wir nur den uns als Christinnen und Christen gemeinsamen Glauben heran: Wir glauben an einen Drei-Einen Gott, an einen Gott, der Vielfalt und Einheit in einem ist, der Vielfalt und Einheit in sich selber birgt.

    Die drei Personen dieser Vielfalt besitzen eine je eigenständige Identität – Vater, Sohn, Heiliger Geist – und sind dennoch eins. Die Vielfalt und die Einheit sind kein Widerspruch.

    Warum sollten dann zwei Kirchen, die in die Einheit einer Kirchengemeinschaft gehen, ihre je eigenständige Identität aufgeben?

    Im übrigen, um auf eine kurze Passage in Ihrem Kommentar noch einzugehen: Das Motto meines priesterlichen Dienstes ist „Christus pastor“. Es ist mir immer wichtig zu sagen: Mein Dienst als Priester ist immer nur ein Verweis auf den eigentlichen, einen Hirten: Christus. Dies gilt m.E. auch für den Bischof von Rom. – Nicht er ist „der eine Hirte“, sondern auch sein Dienst soll auf Christus verweisen. Denn nur Christus ist „der eine Hirte“, dem wir alle folgen sollen.

    Herzlich grüßt

    Walter Jungbauer

  7. Ich sehe in der Vielfalt des Protestantismus einen Widerspruch zur Einheit. Ich glaube, dass die Einheit der Christen sichtbar sein muss, denn Jesus selbst sagt, dass die Welt anhand der Einheit Gott erkennen soll (Joh 17,13). Die Frage, die sich mir stellt ist, woran ist die Einheit erkennbar wenn es weiterhin zwei Kirchen gibt? An der Zulassung zu den Sakramenten?

    Die Landeskirchen in Deutschland pflegen auch Abendmahlsgemeinschaft, dabei sind Lutheraner und Reformierte weit von einem einheitlichen Glauben entfernt. Leider scheint dort auch kaum bis keine Bewegung zu sein eine volle Einheit zu erreichen.

    Danke für Ihren Hinweis zum Hirtendienst des Papstes. Dies unterstreicht die Wichtigkeit des Petrusamtes. Ein sehr schönes Motto!

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