Rückkehr-Ökumene ist erledigt! Dialogpapier zwischen römisch-katholischer und evangelisch-lutherischer Kirche

Ökumenische Eucharistie zwischen Alt-Katholischer Kirche und Evangelischer Kirche beim ÖKT in München 2010

Nachdem vor eineinhalb Jahren im September 2009 eine römisch-katholisch/alt-katholische Dialogkommission das Dialog-Papier „Kirche und Kirchengemeinschaft“ vorgelegt hat, in dem über Möglichkeiten und Bedingungen einer Kirchengemeinschaft zwischen den beiden katholischen Konfessionen beratschlagt wurde (siehe auch „Auf dem Weg zur Kirchengemeinschaft mit Rom …?„), wurde nun an der Universität in Erfurt das Ergebnis von Gesprächen zwischen der römisch-katholischen und der evangelisch-lutherischen Kirche vorgelegt. Das Dokument, welches wie „Kirche und Kirchengemeinschaft“ als Buch im Verlag Otto Lembeck erschienen ist, trägt den Titel „Gemeinschaft der Kirchen und Petrusamt. Lutherisch-katholische Annäherungen“ und erörtert u.a., wie eine Neubewertung des Papstamtes durch die lutherischen Kirchen möglich sein könnte.

Das Dokument entstand als Ergebnis eines fünfjährigen Studienobjektes im Internationalen Brigittinischen Zentrum „Farfa Sabina“ nordöstlich von Rom. An dem Studienprojekt waren jeweils sieben römisch-katholischen und sieben evangelisch-lutherischen Theologinnen und Theologen aus Skandinavien, Deutschland, Frankreich und Italien beteiligt. Initiiert wurde diese Arbeitsgruppe noch vom verstorbenen Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, Johannes Paul II. (1978-2005), der dadurch einen Dialog über ein Einheitsamt des Bischofs von Rom angestoßen wissen wollte.

Interessanterweise kommt die ökumenische Arbeitsgruppe in einem wichtigen Punkt zu einem ähnlichen Ergebnis, wie die römisch-katholisch/alt-katholische Dialogkommission: Die Einheit der Kirche ist nur möglich in der Herstellung einer „Gemeinschaft (selbständiger) Kirchen“ – wie auch im rk/ak Dialogpapier in Blick auf die gesuchte Einheit keine „Rückkehr-Ökumene“ mehr angestrebt wurde. Diese Variante der Ökumene, bei der eine Kirche sich in die andere zu integrieren habe, um eine Einheit zu erlangen, wird von der ökumenischen Studiengruppe von Farfa Sabina als „erledigt“ betrachtet. Ein sehr wesentliches Ergebnis, auf dem der gesamte ökumenische Dialog weiter aufbauen kann.

Das grundsätzliche Problem brachte der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber (Wolfenbüttel) bei der Vorstellung auf den Punkt, dass das größte ökumenische Dilemma darin bestehe, dass die Konfessionen „im Wesentlichen im Glauben an Christus eins (seien), aber sie denken in grundverschiedenen Systemen von Kirche und Kircheneinheit.“ Deswegen sei es auch notwendig, dass ein gemeinsames Konzept eines universalen (päpstlichen) Leitungsdienstes, welches der Einheit dient, zunächst ein gemeinsames Verständnis universaler Kirchengemeinschaft voraussetze.

Das allerdings sei nur möglich, wenn sich die Kirchen gegenseitig als Kirchen anerkennen würden. Hier sei die römisch-katholische Kirche gefordert, welche den evangelischen Kirchen ja nur den Status einer „kirchlichen Gemeinschaft“ zugesteht.

Damit hänge natürlich eng die Frage nach der Bedeutung des kirchlichen Amtes allgemein zusammen, und die Frage, ob eine bestimmte Gestaltung der Ämter es notwendig mache, anderen Gruppen das Kirche-Sein abzusprechen.

Der römisch-katholische Bischof des Bistums Erfurt, Joachim Wanke, machte dagegen deutlich, dass das katholische Verständnis der „Gemeinschaft der Ortskirchen“ (Communio ecclesiarum) natürlich nicht identisch sei mit dem im protestantischen Bereich verwendeten Begriff der „versöhnten Verschiedenheit“. Dieser Begriff laufe zu sehr darauf hinaus, dass „Kirche im Plural buchstabiert wird, wo es doch nur eine Kirche geben kann.“

Um all diese Fragen zu klären, wird in dem vorgelegten Dialog-Papier ein wirklich ökumenisches Konzil aller Kirchen gefordert. Aber Landesbischof Weber machte hier auch deutlich, dass sich mit solch einem Problem sehr schnell viele neue Fragen stellen würden. Und sei es auch nur die ganz praktische, wer ein solches Konzil einberufe, welche Verbindlichkeit es habe, und wer daran überhaupt teilnehme.

Advertisements

2 Kommentare zu „Rückkehr-Ökumene ist erledigt! Dialogpapier zwischen römisch-katholischer und evangelisch-lutherischer Kirche“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s