Atom-Deal: bis zu 50 Jahre AKW-Laufzeit – oder: Was interessieren mich die Verträge von gestern?

Fotograf: GuenterHH - Quelle: http://www.flickr.de

Als im Juni 2000 zwischen der damaligen rot-grünen Bundesregierung und den Atomkraft-Unternehmen das Auslaufen der Atomkraftwerke vereinbart wurde, haben die Umweltverbände und Umweltschützer diese Vereinbarung nur unter sehr großem Magengrimmen zur Kenntnis genommen. Zwar wurde damals der Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen, aber die konkreten Vereinbarungen mit Reststrommengen je AKW u.ä. haben von Beginn zu der Sorge geführt, dass ein Regierungswechsel zu schwarz-gelb diese Verträge relativ schnell zur Makulatur werden lässt.

Nun ist es also so weit. Die Bauchschmerzen waren nicht unbegründet. Die derzeitige Bundesregierung hat sich von den Atomkraft-Unternehmen Regelungen in ein neues Atomgesetz diktieren lassen, die bei Ansatz des bisherigen jährlichen Auslastungs-Mittelwerts der deutschen Atomkraftwerke von 82% zu Laufzeiten von bis zu 50 Jahren für ein AKW führen werden. Eine solche Laufzeit ist nach Ansicht des ehemaligen Atommanagers und heutigen Atomkritikers Klaus Traube unverantwortlich. „Für derart lange Laufzeiten wurden die deutschen AKW von vornherein gar nicht konzipiert“, so Traube in einem Analysepapier, welches er für den Deutschen Naturschutzring (DNR) verfasst hat. Je älter, desto störanfälliger würden die Atomkraftwerke.

Dazu kommt als gravierendes Problem die noch immer ungeklärte – und wahrscheinlich auch unklärbare – Frage, wie wir mit dem anfallenden Atommüll umgehen sollen, der über einen Zeitraum von mehreren Jahrtausenden todesgefährlich für den Menschen ist. Der Journalist Arno Widmann hat es in einem überaus lesenswerten Artikel in der Frankfurter Rundschau für das z.B. im Atommüll enthaltene Plutonium-239 so zusammengefasst: „Wir wissen, die Halbwertzeit von Plutonium-239 liegt bei 24.000 Jahren. Wir wissen auch, dass es etwa zehnmal so lange dauert, bis die für Menschen tödliche Strahlung abgeklungen ist. Wir tun so, als habe die Frage der Endlagerung nichts mit der Laufzeitverlängerung zu tun. Wir tun allerdings schon seit Jahrzehnten so, als habe der Atommüll nichts mit der Nutzung der Kernenergie zu tun.Wir sind eine begabte Spezies. Wir schaffen es vor dem, das uns nicht behagt, Augen und Ohren zu schließen. Wir sind taub und blind, wenn wir uns einbilden, es verschaffte uns einen Vorteil.

Zudem wird diese Laufzeitverlängerung den dringend notwendigen Ausbau der Erneuerbaren Energien und den Umbau unseres Energiesystems erheblich ausbremsen. Denn Atomkraftwerke besitzen nicht die notwendige Flexibilität für ein intelligentes Energieerzeugungssystem; ihre Leistung lässt sich lediglich bis zu 50 bis 60% der Volllast einigermaßen flexibel regeln; darunter wird es schwierig; wenn auf Grund entsprechender Leistung der Erneuerbaren Energien also der gesamte Strombedarf abgedeckt werden kann, die AKWs also komplett heruntergefahren werden müssten, würden sie erst wieder 4 bis 5 Tage benötigen, bis sie die Stromerzeugung wieder aufnehmen können; mit hocheffizienten Gaskraftwerken wäre die notwendige Flexibilität eines intelligenten Energieerzeugungssystems problemlos realisierbar.

Zugleich wird mit diesem Atom-Deal von schwarz-gelb mit AKW natürlich auch die massive Marktmacht der großen vier Atomstromer weiter zementiert. Kein Wunder, dass sie in diesem Rahmen sogar bereit sind, ein paar Euro springen zu lassen (vgl. dazu „Atomarer Ablasshandel„).

Und auf die Szenarien, welche die Bundesregierung für ihren Ausstieg aus dem Ausstieg hat rechnen lassen, würde ich nicht vertrauen. Die Rechen-Tricksereien, die Klaus Traube hier in dem bereits zitierten Analysepapier aufzeigt, machen deutlich , dass hier das politische Interesse die Rechnung geleitet hat.

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