Nachdem Pfarrer Klaus Maas in die Gemeinde Regensburg wechselt, wird nach Beschluss der Synodalvertretung ab dem 01. Juli 2010 Jens Schmidt als neuer Geistlicher nach Dresden entsandt.

Schmidt war bis Ende Mai in der Rheinberger Pfarrgemeinde St. Peter im römisch-katholischen Bistum Münster tätig. In der Abendmesse am letzten Samstag hat er sich von seiner ehemaligen Gemeinde verabschiedet. In einem offenen Brief an die Gemeinde (siehe unten) erklärte er lt. Pressebericht, dass er „die Frau fürs Leben“ gefunden habe und heiraten wolle.

Nachtrag: Offener Brief von Pfarrer Jens Schmidt:

Liebe Freunde und Freundinnen,

liebe Verwandte und Mitmenschen, denen ich mich verbunden fühle,

liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst,

liebe Kurskollegen!

An diesem Sonntag grüße ich Euch und Sie herzlich aus Rheinberg.

Am vergangenen Donnerstag hatte ich ein persönliches Gespräch mit Bischof Felix Genn,

in dem ich den Bischof bat, mich von den priesterlichen Diensten in der römisch-katholischen Kirche und dem Bistum Münster zu entpflichten.

Nach diesem sehr persönlichen und guten Gespräch hat Bischof Felix schweren Herzens meiner Bitte entsprochen.

Am letzten Samstagabend habe ich meinen Entschluss nach einem bewegenden Gottesdienst der Gemeinde mitgeteilt, die verständlicherweise sehr überrascht gewesen ist.

Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht und ich weiß darum, dass ich mit dieser Entscheidung Menschen verunsichere oder sogar verletze und enttäusche.

Doch während des Empfanges am Samstag nach der Vorabendmesse, bei dem viele Tränen geflossen sind, ist deutlich geworden, dass die allermeisten Menschen meine Entscheidung respektieren.

Denn in meinem seelsorglichen, pastoralem Tun, war und ist mir im Umgang mit Menschen wichtig, die persönlichen Entscheidungen eines Menschen aus ganzem Herzen zu akzeptieren und in dieser getroffenen Entscheidung gleichzeitig den Weg Gottes mit diesem Menschen zu sehen.

Dass ich den Bischof um die Entpflichtung vom priesterlichen Dienst in der römisch-katholischen Kirche bat, hat nichts mit unserer Pfarrgemeinde und den Menschen in Rheinberg zu tun.

Ich bin gerne Priester und ich bin es gerne in unserer Pfarrgemeinde St. Peter.

Mein Herz schlägt besonders für die Anna-Gemeinde mit deren Menschen hier auf dem Rheinberger Annaberg.

Aber unter diesen Rheinbergern, diesen Annabergern, habe ich die Frau für mein Leben gefunden, die ich über alles liebe und mit der ich den Rest meines Lebens teilen möchte.

Für mich ist es dann nur konsequent, diesen Weg zu gehen, den ich, den wir, jetzt miteinander gehen möchten.

Am Pfingstmontag habe ich auf dem Marktplatz während der Predigt im ökumenischen Pfingstgottesdienst gesagt, dass es kein guter Weg für die Kirche ist, Dinge und Situationen in der Kirche zu vertuschen oder zu verdrängen.

Mit diesen Zeilen stehe ich zu meinem Predigtwort und hoffe auf Euer, auf Ihr Verständnis.

Bischof Dr. Matthias Ring, Bischof des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken hat bei der letzten Priesterweihe in Bayern gesagt:

„Zuallererst ist ein Geistlicher Mensch.

Das scheint eine Banalität zu sein, denn was ist er denn sonst?

Aber dahinter steckt eine gleichermaßen befreiende, wie auch erschreckende Erkenntnis. Denn man kann sich mit Titeln und Gewändern schmücken, so viel man will, ein Priester, eine Priesterin muss als Mensch glaubhaft und glaubwürdig sein.“

Mit meiner getroffenen Entscheidung geht es mir um meine eigene Glaubwürdigkeit als Mensch und Priester, gleichzeitig auch um die Glaubwürdigkeit der Kirche, die in den letzten Monaten sehr gelitten hat und hinterfragt wird.

Damit kommt eine zweite Entscheidung ins Spiel.

Immer wieder habe ich in den letzten Monaten, auch während meiner Exerzitien im Priesterhaus Johannes Paul II. im französischen Ars gespürt, dass ich mit Leib und Seele Priester bin. Das ich dies bin mit all meinen Macken und Kanten, Schwächen und Fehlern.

Ich bin gerne Priester und möchte in Zukunft auch gerne priesterlich weiter arbeiten, zusammen mit Frauen und Männern, die Christen sein möchten.

Deswegen danke ich an dieser Stelle Bischof Dr. Matthias Ring, dem katholischen Bischof der Alt-Katholiken, sowie der Synodalvertretung der Alt-Katholischen Kirche, für ihre Entscheidung, mich und meine zukünftige Frau, in den Dienst der Alt-Katholischen Kirche Deutschlands zu übernehmen.

So werde ich ab Juli weiterhin als katholischer Priester meine neue Pfarrstelle in der Alt-Katholischen Pfarrgemeinde Sachsen mit Wohnsitz in Dresden antreten.

Bis zum 28. Juni werde ich in Rheinberg wohnen bleiben, jedoch keine priesterlichen Dienste mehr in unserer römisch-katholischen Kirche tun.

In dieser Woche werden ich und meine zukünftige Frau aus der römisch-katholischen Kirche austreten, damit wir am kommenden Sonntag, 06.06., um 10.00 Uhr, während der sonntäglichen Eucharistiefeier der katholischen Gemeinde „Erscheinung Christi“ der Alt-Katholiken in Krefeld in die Alt-Katholische Kirche aufgenommen werden können.

Am Mittwoch, den 16. Juni, werden wir in Rheinberg standesamtlich heiraten und wie gesagt am

28. Juni nach Dresden ziehen, wo die Türen unserer Wohnung und unserer neuen Gemeinde offen stehen für alle Menschen, die Dresden einmal kennen lernen und erleben möchten.

Fühlt Euch, fühlen Sie sich herzlich eingeladen und willkommen.

Letzte Tage bekam ich eine Karte, auf der stand:

„Weine nicht darum, dass es vorbei ist, sondern lächle, weil du es erleben durftest.“

Ich möchte lächeln, trotz der augenblicklichen Tränen, weil ich 16 Jahre lang Priester in der römisch-katholischen Kirche und unserem Bistum Münster sein durfte und konnte. Vieles Schöne und Kostbare durfte ich durch diesen Dienst und die Menschen, die mir anvertraut waren, erfahren. Dafür bin ich von Herzen dankbar. Dafür bin ich Gott dankbar.

Dankbar für die Grunderfahrungen meines Glaubens in meiner Heimatgemeinde St. Konrad in Moers.

Dankbar für die Ausbildungs- und Studienzeit im so genannten „Ahlener Modell“, – vor allen Dingen für die Zeit in St. Elisabeth, Ahlen.

Dankbar für meine Diakonatszeit in St. Marien, Brake, und St. Maria Magdalena, Elsfleth.

Dankbar für die Kaplanszeit in St. Willehad, Oldenburg.

Vor allen Dingen dankbar für die 9 Jahre meines priesterlichen Dienstes im Wangerland an der Nordsee, die für mich zu den wertvollsten und kostbarsten Jahre meines bisherigen Lebens zählen.

Dankbar für die 4 Jahre in Rheinberg, vor allem auf dem Rheinberger Annaberg.

Die Erfahrungen und gegangenen Wege der vergangenen 4 Jahre mit den Menschen hier machen mir den Abschied und den Ausstieg aus dem priesterlichen Dienst der römisch-katholischen Kirche unendlich schwer.

Wenn ich an die weinenden Männer und Frauen gestern Abend denke, tut mir mein Herz weh.

Doch trotz allem vertraue ich einem Wort, dass meine zukünftige Frau gesagt bekam, dass da heißt:

„Dein Bestes nur im Sinn, hat Gott einen Plan für dein Leben, auch, wenn du ihn nicht immer erkennen kannst.

Er will dich führen und leiten, dir Orientierung geben, dich stärken und begleiten, wohin du auch gehst.“

Mit diesem Wort möchte ich mich nicht verabschieden, denn ich bin nicht aus der Welt, sondern nur in Sachsen, nur in Dresden.

Dort bin ich, zusammen mit meiner Frau Tanja, ab dem 1. Juli unter folgenden Adressen zu erreichen:

Jens und Tanja Schmidt

Zum Triebenberg 3

01328 Dresden-Zaschendorf

(erstmal: 0152-21024740)

oder über

Pfarramt der Alt-Katholischen Gemeinde Sachsen

Kurt-Fröhlich-Str. 9

01219 Dresden

0351-4794910

So grüße ich Sie und Euch noch einmal herzlich aus Rheinberg.