Mit Feuer und Flamme – Brigitte Glaab ist katholische Priesterin

Brigitte Glaab - Foto: privat

Heute wurde in der evangelischen Christuskirche in Aschaffenburg die Alt-Katholische Diakonin Brigitte Glaab (48) von Bischof Dr. Matthias Ring zur siebten Priesterin im Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland geweiht. Es war die erste katholische Priesterweihe einer Frau in Bayern und die erste Weihehandlung des neuen alt-katholischen Bischofs Ring.

Bereits seit einem Jahr ist die Diplom-Theologin und dreifache Mutter, die hauptberuflich als Yogalehrerin arbeitet, ehrenamtlich als Diakonin in der Aschaffenburger Gemeinde tätig. Aschaffenburg ist Tochtergemeinde der alt-katholischen Gemeinde Offenbach.

Brigitte Glaab stellt ihren priesterlichen Dienst unter einen Leitspruch des Kirchenvaters Bischof Augustinus von Hippo: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“.

„Meine Motivation“, beschreibt sie, „ist die Freude und Begeisterung für diese Gemeinde, der Wunsch, mit ihr Eucharistie zu feiern können und meine seelsorgerlichen Fähigkeiten in allen Bereichen einsetzen zu können.“

Das Amt als Priesterin ist für sie zuallererst ein Dienst. „Ein Priester, eine Priesterin steht mitten in der Gemeinde und muss auf Augenhöhe mit den Menschen bleiben. Ich verstehe mich als Mitglied der Gemeinde mit besonderer Beauftragung und Verantwortung. Im Gottesdienst übernehme ich bestimmte Aufgaben stellvertretend für die Gemeinde. Ich möchte Menschen inspirieren, begeistern, begleiten. Ich möchte von der Hoffnung erzählen, die mich erfüllt, und von dem Glauben, der mich trägt. Ich bleibe auch als Priesterin mit der Gemeinde unterwegs.“ Das sei, so erklärt sie, schließlich auch das Verständnis einer synodalen Kirche: gemeinsam auf dem Weg zu sein.

Die Frauenordination wurde in der Alt-Katholischen Kirche Ende der 1980er Jahre eingeführt. 1988 wurde die erste Diakonin in Deutschland geweiht. Bereits im Jahr darauf beschloss die deutsche Bistumssynode, den Weg auch für den priesterlichen und bischöflichen Dienst von Frauen zu öffnen. Um der Diskussion zwischen den verschiedenen Alt-Katholischen Kirchen zu dieser Frage den notwendigen Raum zu geben, wurde der Beschluss zunächst ausgesetzt. 1994 beschloss dann die deutsche Synode endgültig die Möglichkeit der Priesterinnen- und Bischöfinnen-Weihe einzuführen. Pfingsten 1996 wurden daraufhin die ersten beiden Frauen zu katholischen Priesterinnen geweiht. Eine alt-katholische Bischöfin gibt es im Moment noch nicht.

Und dies ist ein Link zu Bildern von der Weihe von Brigitte Glaab.

Berichte im Vorfeld zur Weihe:

Weitere Infos zum Thema Frauenordination auf der Website des Bistums unter „Stichwort Frauenordination

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20 Kommentare zu “Mit Feuer und Flamme – Brigitte Glaab ist katholische Priesterin”

  1. Wenn ich was fragen darf, was ich nicht verstehe.

    Welche Bedeutung hat die Priesterweihe in der alt-katholischen Kirche?

    Kann ich als nicht-geweihter nicht auch die Eucharistie feiern? Schließlich sind die Pfarrer der evangelischen Kirchen ja auch nicht geweiht, sondern nur beauftragt.

    Wäre nett, wenn man mir diese Frage beantworten könnte.

    MfG

  2. Hallo Herr Meyer,

    die Priesterinnen- und Priester-Weihe ist – genau wie die Diakoninnen- / Diakonen-Weihe und die Bischöfinnen- / Bischofs-Weihe eines ein Sakrament. Der / die Geweihte versieht im Auftrag und mit Zustimmung der Kirche (die Gemeinde muss die Weihe beantragen, das Dozentenkollegium muss die theologische Qualifikation beurteilen, die Synodalvertretung – Vertretung der Synode – und der Bischof entscheiden, der Bischof / die Bischöfin nimmt die Weihe vor) einen besonderen Dienst in der Kirche und wird mit der Weihe für diesen Dienst beauftragt (ordiniert). Dieser besondere Auftrag erhebt die / den Geistlichen allerdings nicht über die anderen Kirchenmitglieder. Auch ist ein entsprechender Dienst ohne Anbindung an eine konkrete Gemeinde (wie z.B. bei den so genannten Titular-Bischöfen ohne eigene Diözese) nach Ansicht der Alt-Katholischen Kirche eine unsinnige Fehlentwicklung.

    Bischöfe / Bischöfinnen werden bei uns von der Synode gewählt, nicht von oben ernannt. Priesterinnen / Priester müssen sich in der Gemeindeversammlung der Wahl stellen, um in der entsprechenden Gemeinde als Pfarrerin / Pfarrer fungieren zu können.

    Die Eucharistie-Feier gehört zu den Aufgaben der Priesterinnen & Priester / Bischöfinnen & Bischöfe.

    Mit der evangelischen Kirche sind wir uns einig, dass sowohl die evangelische Kirche als auch die alt-katholische Kirche „den aus der Sendung der Apostel hervorgehenden Dienst des besonderen Amtes, das der Herr seiner Kirche gegeben hat [bewahren]. Dieses Amt trägt mit der Gesamtheit der Gläubigen ständig und öffentlich Sorge für die Verkündigung des Evangeliums, die Verwaltung der Sakramente und für die Leitung und die Einheit der Kirche. In dieser Kontinuität mit den Aposteln und ihrer Verkündigung wird die reine apostolische Lehre und die rechte Verwaltung der Sakramente gewahrt“ und weiter „Gemäß der Lehre der beteiligten Kirchen wird die Eucharistiefeier von Ordinierten geleitet. Gemeinschaft im Herrenmahl verpflichtet die Kirchen darauf zu achten, daß die Praxis dieser Lehre entspricht“ (Zitate aus der Vereinbarung zur gegenseitigen Einladung zu Abendmahl und Eucharistie zwischen EKD und AKD, deren 25-Jahr-Jubiläum wir dieses Jahr feiern).

    Ich denke, das dürfte Ihre Frage beantworten.

    Herzlich

    Walter Jungbauer

  3. Danke für die ausführliche Antwort.

    Das heißt ja denn, dass eine Abendsmahlgemeinschaft mit freikirchlichen Gemeinden nicht möglich ist, da diese jegliche Ämterstruktur ablehnen.

    Ich dachte bislang, dass die alt-katholische Kirche ebenso wie die römisch-katholische an der apostolischen Sukzession als Verwurzelung des Amtes in Christus festhält.

  4. Hallo Herr Meyer,

    bei uns sind alle Christinnen und Christen zum Empfang der Eucharistie eingeladen, welche an die Gegenwart Christi in Brot und Wein glauben.

    Die Alt-Katholische Kirche hält an der apostolischen Sukzession fest. Wir gehen allerdings davon aus, dass auch die evangelische Kirche den apostolischen Glauben wahrt und weitergibt. Um aus dem bereits zitierten Dokument der gegenseitigen Vereinbarung zur Einladung zu Abendmahl und Eucharistie nochmals zu zitieren: Die EKD und die AKD „bewahren den aus der Sendung der Apostel hervorgehenden Dienst des besonderen Amtes, das der Herr seiner Kirche gegeben hat. Dieses Amt trägt mit der Gesamtheit der Gläubigen ständig und öffentlich Sorge für die Verkündigung des Evangeliums, die Verwaltung der Sakramente und für die Leitung und die Einheit der Kirche. In dieser Kontinuität mit den Aposteln und ihrer Verkündigung wird die reine apostolische Lehre und die rechte Verwaltung der Sakramente gewahrt.“ (Wer das Dokument gesamt lesen will, sei auf den Link „Ökumene – Evangelische Kirche“ verwiesen).

    Die Zeichen der Weitergabe der apostolischen Sukzession ist in der Alt-Katholischen Kirche Gebet und Handauflegung von Bischof / Bischöfin zu Bischof / Bischöfin; diese sind allerdings keine magische Zauberei, sondern Symbol dessen, was sie ausdrücken sollen.

    Wir würden uns von Alt-Katholischer Seite wünschen, dass die Evangelischen Kirchen dieses Zeichen ebenfalls wieder aufgenommen werden würde. Um aus einem Memorandum einer alt-katholisch/evangelischen Arbeitsgruppe zum kirchlichen Amt zu zitieren: „Die Alt-Katholische Kirche hält dankbar an der bischöflichen Sukzession fest, weil sie darin die Kontinuität sowohl des Glaubens als auch der Glaubenden besonders deutlich und sichtbar zum Ausdruck gebraucht weiß … Sie erhofft, dass im Zuge konkreter Schritte zur kirchlichen Gemeinschaft bei der Einsetzung von Bischöfen die Praxis der gegenseitigen Handauflegung als Zeichen sichtbarer Gemeinschaft beider Kirchen in der apostolischen Sukzession aufgenommen wird.“

    Herzlich grüßt

    Walter Jungbauer

  5. Danke nochmals für die Ausführungen.

    So weit ich weiß, lehnen die meisten evangelischen Kirchen die Apostolische Sukzession ab und auch bei denen, die dies nicht tun, wird das Sakrament nicht gültig gespendet.

    Bei allem Willen zur Einheit und Ökumene, muss die Frage der Gültigkeit der Sakramente zuerst gestellt werden.

    Beste Grüße

    S.Meyer

  6. Hallo Herr Meyer,

    könnten Sie bitte mal definieren, was Sie unter „Sakrament“ verstehen, damit ich Ihre Ansicht verstehen kann, dass Sakramente nicht gültig gespendet werden?

    Mit freundlichen Grüßen

    Walter Jungbauer

  7. Gerne.

    Sakramente sind Heilszeichen. Die Kirche kennt derer 7.

    Um gültig zu sein, müssen sie stiftungsgemäß durchgeführt werden. Das weltliche Zeichen muss stimmen (z.B. Wasser bei der Taufe oder Brot und Wein bei der Echaristie), der Spender muss der Richtige sein (bei der Eucharistie ein geweihter Priester, bei der Ehe Mann und Frau, bei der Taufe jeder Mensch) und der Spender muss tun wollen, was die Kirche tut, d.h. er muss sich des Sakramentes bewusst sein und es auch spenden wollen.

    Bislang nahm ich an, die altkatholische Kirche teile diese Auffassung. Aber dann wäre ein Abendmahl zumindest mit den reformierten Kirchen nicht möglich. Diese lehnen das Priestertum wie auch die Eucharistie an sich ab und feiern lediglich ein Gedächnismahl.

  8. Hallo Herr Meyer,

    Sakramente sind Heilszeichen. Soweit sind wir voll und ganz einer Meinung. Ich führe das noch etwas aus: Sie sind Zeichen von Gottes Heil in dieser Welt, Zeichen von Heiligung, Zeichen von Heilung. In ihnen drückt sich aus, dass Gott diese Welt heil will, die Beziehungen der Menschen untereinander und die Beziehungen der Menschen zu ihm. Ich habe das in einer Predigt zu Johannes 9,1-38 in der vergangenen vorösterlichen Bußzeit etwas ausführlicher dargelegt: Heilungsgeschichten: Geschichten von Vertrauen und Zutrauen.

    Zur Geschichte dessen, was wir heute in seiner Siebenzahl in der katholischen und der orthodoxen Tradition als „Sakramente“ bezeichnen, sei erwähnt, dass diese Siebenzahl eine Festlegung aus dem 12. Jahrhundert – maßgeblich unter Einfluss des Pariser Bischofs Petrus Lombardus (+1160) – darstellt. Definitiv festgelegt wurde diese Zahl in der katholischen Kirche erst mit dem Konzil von Trient (1547 – Dekret über die Sakramente). Zumindest in den ersten 1.100 Jahren kannte die Kirche eine riesige Vielfalt an Sakramenten – hier war z.B. auch die Königssalbung noch ein Sakrament.

    Dass die unterschiedlichen Kirchen hinsichtlich der theologischen Ansichten, was genau als Sakrament zu bezeichnen ist, und was es bewirkt, unterschiedliche Sichtweisen vertreten ist offensichtlich. Die Beurteilung der „Gültigkeit“ eines Sakraments würde ich aber dann doch lieber Gott selber überlassen, statt die Behauptung aufzustellen, dass ein von den dafür berufenen und beauftragten Menschen einer Kirche gespendetes Sakrament ungültig sei.

    Herzlich

    Walter Jungbauer

  9. Die Frage der Gültigkeit liegt natürlich bei Gott. Ich behaupte nur, ich kann Gottes Entschluss darüber nicht erkennen und verlasse mich daher auf die Lehren der Kirche.

    Entgegen dem Prinzip: Jeder ist sich selbst der Höchste.

  10. Hallo Herr Meyer,

    ich denke mal, dass Sie unter der „Kirche“, auf deren Lehren Sie sich verlassen, hier die „römisch-katholische Kirche“ und deren Lehren verstehen. Damit nehmen Sie aus meiner Sicht allerdings selber die von Ihnen kritisierte Prinzipien-Position ein.

    Herzlich

    Walter Jungbauer

  11. Anders als bei den Protestanten, vertritt die römisch-katholische Kirche nicht die Auffassung, dass die höchste und letztendliche Instanz bei der Wahrheitsfindung der einzelne Gläubige selber ist. Die drei letzten Instanzen sind dagegen Schrift, Tradition und Lehramt.

    Auf welchen Fundamenten steht die alt-katholische Kirche?

    Entschuldigen Sie, meine vielleicht naive Nachfrage, aber verstehe das Selbstverständnis Ihrer Kirche nicht so richtig.

  12. Hallo Herr Meyer,

    verbindliche Grundlagen für die alt-katholische Kirche sind Schrift und Tradition. In diesen Grundlagen müssen Entscheidungen, auch lehramtliche Entscheidungen, begründet sein. Das war im Endeffekt ja auch der Konflikt auf Grund dessen die Mütter und Väter der Alt-Katholischen Kirche aus der römisch-katholischen Kirche exkommuniziert (also: aus der Gemeinschaft ausgeschlossen) wurden: Sie haben die Beschlüsse des Ersten Vatikanischen Konzils (1869/70) von der Unfehlbarkeit des Papstes und dessen oberster Richtergewalt über die gesamte Kirche als in Schrift und Tradition nicht begründbar gesehen; deswegen haben sie der Verbindlichkeit dieser Beschlüsse widersprochen und sind in Folge aus der römisch-katholischen Kirche ausgeschlossen worden.

    Schrift und Tradition sind die beiden grundlegenden Säulen für ein Dogma, welches von allen Christinnen und Christen als verbindlich anzuerkennen erwartet werden kann – denn ein Dogma kann nur eine Lehre sein, welche bereits von Beginn an ein Glaubensgrundsatz war, und dann zur Vergewisserung bzw. zur Klärung der allgemeinen Verbindlichkeit von einem Konzil der gesamten Kirche (= Ökumenisches Konzil) als Dogma definiert wird, um die freie Glaubensentscheidung vor dem Abgleiten in den Halb- oder in den Irrglauben zu schützen. Das Lehramt hat immer nur eine aus Schrift und Tradition abgeleitete Autorität, keine aus sich selbst heraus.

    Da aus Alt-Katholischer Sichtweise ein solches Ökumenisches Konzil seit der Trennung der Kirche in Ost- und West-Kirche um die erste Jahrtausendwende nicht mehr stattgefunden hat, sind für uns nur die dogmatischen Entscheidungen der ersten sieben Konzilien verbindlich. Alle nach der Trennung erfolgten Konzilien sind lediglich Parikular-Konzilien eines Teils der Christenheit und deren Entscheidungen haben daher auch keinen verbindlichen Charakter für die Gesamtkirche.

    Aber auch bei den Dogmen der ersten sieben Ökumenischen Konzilien ist zu beachten:
    – Dogmatische Entscheidungen werden getroffen, um eine Grenze gegen Irrlehren zu ziehen. Innerhalb dieser Grenze soll und muss ein Freiraum bleiben, in dem verschiedene, oft auch immer neue Interpretationen des Glaubens entstehen.
    – Auch die Lehraussagen der ersten sieben Ökumenischen Konzilien müssen immer vor dem Hintergrund der damaligen Sprache und Denkweise verstanden werden, sonst ist man schnell in Gefahr, sie vor dem Hintergrund heutiger Sprache und Denkweise zu verstehen und damit falsch zu deuten.

    Die alt-katholische Kirche ist der Auffassung, dass sich die Meinungsverschiedenheiten und Tren­nungen, die zwischen den christlichen Kirchen bestehen, nur durch ein allgemeines ökumenisches Konzil, das sei­nem Namen gemäß wirklich alle christlichen Kirchen der Welt einlädt, beheben lassen. Sie vereint sich in der Forderung nach einem solchen Konzil mit den Appellen Martin Luthers von 1518 und 1520 und der Utrechter Kirche von 1723.

    Und so weit mir bekannt schweben die Protestanten im übrigen in Sachen Wahrheitsfindung nicht im luftleeren Raum. Das „sola scriptura“ Martin Luthers macht klar, dass die Schrift die verbindliche Glaubensgrundlage darstellt, und Jesus Christus wird als alleinige Autorität über den Glauben betrachtet („solus christus“). Dass die Reformation dem zweiten Standbein „Tradition“ mit einem gehörigen Maß an Skepsis gegenüberstand ist m.E. aus der Geschichte heraus gut verständlich. Und erst durch die Reformation bekam das Standbein „die Schrift“ überhaupt wieder das notwendige Gewicht.

    Herzlich

    Walter Jungbauer

  13. Danke für die Ausführungen. Jetzt ist mir einiges klarer.

    Wünsche ein frohes Hohes Pfingstfest!

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