Brechen die anglikanischen Kirchen auseinander?

bischöfe lambeth - scottgunnNachdem acht anglikanische Bischöfe am 24. Juni als Gegenstück zur Anglikanischen Kirche in Amerika (so genannte Episcopal Church – ECUSA) im Bundesstaat Texas mit rund 700 Gemeinden und 100.000 Mitgliedern in den USA die „Anglikanische Kirche in Nordamerika“ (ACNA) gegründet haben, haben jetzt fünf Bischöfe der Kirche von England angekündigt, am 06. Juli die „Konservative Anglikanische Gemeinschaft“ ins Leben zu rufen. Während die ACNA allerdings mit Robert Duncan sofort einen ihrer Bischöfe zum Erzbischof ernannte, verstehen sich die britischen Bischöfe – zumindest im Moment noch – als konservative Gemeinschaft innerhalb der Anglikanischen Kirche Englands.

Im Hintergrund steht die Auseinandersetzung um den Bischof von New Hampshire (USA), Gene Robinson, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt (vgl. dazu „Der schwule Bischof ist schuld„). Nach Ansicht der Kritiker verstößt praktizierte Homosexualität gegen die Bibel.

Ich hatte nach den Auseinandersetzungen im Vorfeld der im letzten Jahr stattgefundenen Lambeth-Konferenz (vgl. dazu „Anglikanisches ‚Was bin ich?‘„) und auf Grund der offenen Diskussions-Kultur auf der Lambeth-Konferenz (vgl. „Mit Wanderstiefeln an den Füßen„) gehofft, dass die Anglikanische Kirche die Kraft hat, die Einheit ihrer Vielfalt zu bewahren. Sie wäre ein Vorbild für die Ökumene der vielen Kirchen untereinander.

Foto: scottgunn – Quelle: http://www.flickr.de

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4 Kommentare zu „Brechen die anglikanischen Kirchen auseinander?“

  1. Hallo Walter,

    nicht nur Du hattest die Hoffnung, daß es der Anglican Communion gelingen würde, die Einheit zu bewahren. Das Gelingen der Lambeth Conference im letzten Jahr und einige weitere Schritte auf dem Weg der Reform der sogenannten „Instruments of Unity“ haben Anlaß zur Hoffnung gegeben.

    Allein die konservativen Hardliner wollen diese Einheit nicht. Sie haben sie nie gewollt und haben kontinuierlich gegen sie gearbeitet. Nicht nur, daß sie im vergangenen Jahr wenige Wochen vor der Lambeth Conference ihre eigene Konferenz in Jerusalem abgehalten haben (GAFCON). In diesem Jahr haben sie ihre Treffen zur Gründung der ACNA und nun in England zur FOCA kurz vor der General Convention der Episcopal Church und der Generalsynode der Church of England anberaumt. Die Politik, die damit verfolgt wird, ist klar: Man schafft vollendete Tatsachen, bevor die kirchrechtlich relevanten Konferenzen reagieren können – oder (Gott bewahre!) etwa Schritte einleiten könnte, die die Ultrakonservativen am Verfolgen ihrer eigenen Agenda hindern. Von soviel Heuchelei und Scheinheiligkeit, Lippenbekenntnissen und gleichzeitigem offenen Bruch des Kirchenrechts kann ich mich nur angeekelt abwenden.

    Die Pressemeldung zum 6. Juli ist allerdings irreführend. Was dort gegründet werden soll ist die FoCA: Fellowship of Confessing Anglicans. Dies ist nicht – wie die ACNA – eine eigene Kirche. Es sind nicht die genannten fünf Bischöfe, die die FOCA hier ins Leben rufen werden. Sie haben lediglich ihre Unterstützung zugesagt. Es ist klar: Hier werden Strukturen geschaffen, die im Ernstfall die Funktion einer Parallelkirche sofort übernehmen können. Allerdings ist man noch nicht ganz so weit – noch traut sich in England niemand, diesen Schritt zu gehen.

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