Nach über 1200 Jahren: Ökumenisches Konzil in Vorbereitung? – Pan-Orthodoxe Synode soll neue Einheit anstreben

Die Orthodoxie scheint momentan mit Riesenschritten auf den Weg der Reformen zu gehen. Nach einem Bericht in der Sendung „Tag für Tag“ auf DeutschlandRadio streben die orthodoxen Kirchen zunächst eine Pan-Orthodoxe Synode (also eine synodale Versammlung aller orthodoxen Kirchen) an, die allerdings Start-Punkt für das „Fern-Fern-Ziel“ (so Dostinios Anagnostopoulos, der Sprecher des Patriarchen von Konstantinopel, im Gespräch mit „Tag für Tag“) eines „großen Ökumenischen Konzils“ dienen soll. Bereits im Juni dieses Jahres kommt auf Zypern die erste von zwei in diesem Jahr geplanten Pan-Orthodoxen Vorbereitungs-Synoden zusammen, um erste Pflöcke für die Pan-Orthodoxe Synode einzuschlagen.

Das letzte wirklich ökumenische Konzil hat vom 24. September bis zum 23. Oktober 787 in Nikaia (2. Konzil von Nikaia) stattgefunden. Es beschäftigte sich u.a. mit der Frage, ob Jesus von Gott adoptiert worden sei (die so genannte Lehre vom Adoptianismus) und dem Bilderstreit.

Vor der Spaltung der damals noch einen christlichen Kirche in die westliche Kirche und die Orthodoxie, welche durch die am 16. Juli 1054 erfolgte Exkommunikation des damaligen Patriarchen von Konstantinopel Kerullarios durch den damaligen Papst Leo IX. vollzogen wurde (so genanntes „Morgenländisches Schisma“), kam kein weiteres ökumenisches Konzil zusammen, an dem alle Kirchen teilgenommen hätten. Die Zusammenkünfte nach 787 waren lediglich teilkirchliche Synoden.

Ich würde mich freuen, wenn es tatsächlich wieder zu einem gemeinsamen ökumenischen Konzil kommen würde – und dabei die evangelischen, die anglikanischen und die „kleinen“ Kirchen (wie die alt-katholische Kirche) nicht vergessen werden (Anagnostopoulos sprach in dem Interview mit DeutschlandRadio nur von der Orthodoxie und der Römisch-Katholischen Kirche). Da innerhalb der Orthodoxie ja unerwartet anscheinend auch solche Fragen wie die Frauenordination virulent werden (vgl. „Orthodoxe Diakoninnen, Priesterinnen & Bischöfinnen?„), könnte es bei solch einem Ökumenischen Konzil vielleicht zu einer weitergehenden Annäherung der Christlichen Kirchen kommen, als man im Moment noch zu träumen wagt.

Der Bericht auf DeutschlandRadio: Pan-Orthodoxe Synode geplant (mp3)

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7 Kommentare zu “Nach über 1200 Jahren: Ökumenisches Konzil in Vorbereitung? – Pan-Orthodoxe Synode soll neue Einheit anstreben”

  1. Den Protestantismus kann man nicht als Kirche bezeichnen. Der Zug ist abgefahren, seit Luther kanonisches Recht verbrannt hat und der Briefwechsel zwischen Melanchthon und dem Patriarchen von Konstantinopel brachte auch kein Ergebnis. Frauenordination braucht die Orthodoxie auch nicht. Das bedeutet nicht, daß die Orthodoxie sich nicht auf die neuen Herausforderungen einstellen würde, aber die liegen eben woanders:

    http://antifo.wordpress.com/2009/04/16/patriarch-kyrill-einsegnung-von-subkulturen-ist-hauptaufgabe-der-kirche/

  2. @ antifo

    Kirche ist die Gemeinschaft der Getauften.
    Damit ist die evangelische Kirche für mich natürlich eine Kirche.
    Im nächsten Jahr feiern die Evangelische Kirche in Deutschland und die Alt-Katholische Kirche in Deutschland das 25-Jahr-Jubiläum der Vereinbarung zur gegenseitigen Einladung zu Abendmahl/Eucharistie (vgl. dazu u.a. „Ökumene/Evangelische Kirche“).
    Und die Frage, ob die Orthodoxie die Frauenordination „braucht“ oder nicht, stellt sich gar nicht vor dem Hintergrund der grundlegenden Frage, ob Frauen zu den Diensten als Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen zugelassen werden. Wenn diese grundlegende Frage positiv beantwortet wird – wie dies die Alt-Katholische Kirche getan hat (vgl. dazu u.a. „Neunte katholische Geistliche in Deutschland“ und „Frauenordination“) – dann wird jeder Mensch seiner diesbezüglichen Berufung folgen können, egal ob er Mann ist oder Frau.

    Herzlich

    Walter Jungbauer, Diakon

  3. @antifo:
    Meines Erachtens ist die Kirche überhaupt kein „ismus“. Für mich sind alle, die Jesus nachfolgen, Teil seines Leibs, seiner weltweiten Kirche, egal, wie sie geprägt sind – katholisch, evangelisch, orthodox, charismatisch, volkskirchlich, freikirchlich, etc. – und in welcher Gemeinde sie ihre Gottesdienste besuchen. Über alle andere Fragen kann man diskutieren, aber ich fürchte es wird immer verschiedene Meinungen darüber geben, wie man das Abendmahl richtig feiert, wer zu welchem geistlichen Amt zugelassen oder nicht zugelassen wird, wie die Bibel richtig ausgelegt wird, etc. Ich hoffe, wir können uns dennoch in echter Geschwisterlichkeit begegnen und einander stehen lassen.

    Das meint zu diesem Thema ein evangelischer landeskirchlich-pietistisch geprägter Christ

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