Frau oder Mann und Osten und Westen – Bischöfinnen-/Bischofs-Wahl in Mitteldeutschland

junkermann zippert

In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), die zum 01. Januar dieses Jahres aus den beiden ehemaligen Landeskirchen der Kirchenprovinz Sachsen und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen zusammengewachsen ist (vgl. dazu „Geburt einer neuen Kirche: Aus ELKTh & KPS wird EKM„), steht bei der Synode am nächsten Wochenende (20./21. März 2009) in der Lutherstadt Wittenberg nun auch die Wahl einer neuen Bischöfin oder eines neuen Bischofs an. Am 29. August 2009 wird sie oder er dann im Magdeburger Dom in ihr / sein Amt eingeführt.

Zur Wahl stehen mit Ilse Junkermann und Thomas Zippert zwei Kandidaten von außerhalb des Gebietes der EKM – und, was zu einigen Leserbrief-Reaktionen in der Kirchenzeitung der EKM geführt hat: beide kommen aus dem Westen.

Als „Armutszeugnis“ wird es von manchen empfunden, dass von der eingesetzten Findungskommission kein eigener Kandidat resp. keine eigene Kandidatin aus dem Gebiet der EKM gefunden wurde. „Da haben wir wieder einmal – diesmal kirchlicherseits – bescheinigt bekommen, dass ‚Ossis‘ für Leitungsämter ungeeignet sind. Gibt es in den Kirchen der neuen Bundesländer wirklich niemanden, der ein solches Amt ausfüllen kann?“ wird gefragt. Und es wird unterstellt, dass Kandidaten aus den ostdeutschen Ländern „wenigstens mit der Stimmungslage und den Besonderheiten hierzulande vertraut gewesen“ seien (womit indirekt vermittelt wird, dass „Wessis“ die „Ossis“ anscheinend eigentlich nicht verstehen können).

Ich war ehrlich überrascht, dass auch 20 Jahre nach Fall der Mauer noch immer so stark darauf geschaut wird, ob jemand „Ossi“ oder „Wessi“ ist. Und das selbst innerhalb der Kirche. Zudem einer Kirche, welche gerade in diesem Jahr eine Kampagne gestartet hat, um an „20 Jahre friedliche Revolution“ zu erinnern (vgl. dazu „Die EKM wünscht: Gesegnete Unruhe!„).

Erfreulicherweise gab es allerdings bei den Leserbriefen auch (wenngleich leider wenige) Stimmen, die hier gegenhalten. Ein Beispiel: „Als Synodaler unserer neuen Kirche bin ich einigermaßen erschrocken über einen Teil des öffentlichen Echos. Da wird im Jahr 20 nach der Wende eine ostdeutsche Herkunft beschworen und die beiden Wahlvorschläge werden als ‚Armutszeugnis‘ bezeichnet. … Ich wünsche mir … etwas mehr Augenmaß und Weitsicht …“

Es scheint noch immer ein sehr langer Weg des Zusammenwachsens vor uns zu liegen. Vielleicht wird er erst dann zu Ende sein, wenn die Generation erwachsen geworden ist, welche die Teilung Deutschlands in Ost und West nur noch vom hörensagen kennt. Oder wie lange wollen wir noch getrennt bleiben, obwohl wir doch schon lange ein Volk sind …?

Hintergrundmaterial:

Fotos: Harald Krieg, EKM-Pressematerial

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3 Kommentare zu “Frau oder Mann und Osten und Westen – Bischöfinnen-/Bischofs-Wahl in Mitteldeutschland”

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