Wunder geschehen … – Andacht zu Markus 8,1-9

Als ich vor etwas mehr als drei Jahren hier im Kirchenamt mit meiner Arbeit als Fundraising-Beauftragter der EKM anfing, wurde ich manchmal gefragt, ob sich das denn hier in den östlichen Bundesländern überhaupt lohnen würde. Die Arbeitslosigkeit ist höher als im Westen, die Menschen verdienen weniger als im Westen, größere Firmen sind eher Mangelware, und Reichtümer konnte während der Zeit der DDR hier auch niemand wirklich anhäufen. – So richtig vertrauen wollten nur wenige darauf, dass dieses Experiment wirklich klappen könnte, dass es Erfolg haben könnte.

Manchmal werde ich das auch heute noch vor Ort gefragt, wenn ich zur Beratung für konkrete Projekte in Kirchengemeinden gerufen werden.

Dann kann ich mittlerweile auf eine ganze Reihe an Projekten verweisen, in denen Gemeinden oder Werke mit mir gemeinsam ins Fundraising eingestiegen sind, und wir gemeinsam feststellen konnten, dass das Wunder der Brot- und Fische-Vermehrung, von dem wir gerade gehört haben, auch noch heute aktuell sein kann.
Denn ich denke, wir brauchen nicht unbedingt an einen mirakulösen Hokus-Pokus zu denken, wenn wir die Geschichte von den sieben Broten und den paar Fischen hören, die uns von Markus und auch von allen anderen Evangelisten in ähnlicher Weise überliefert wird. Wir müssen nur daran glauben, dass ein echtes Wunder geschehen ist: Nämlich das Wunder, dass die Menschen angefangen haben, miteinander zu teilen.
Vermutlich hatten die Menschen, die nach der Erzählung des Markus ja schon drei Tage mit Jesus unterwegs waren, in der Tat nicht mehr allzu viel zu essen bei sich. Die einen mehr, die anderen weniger, manche gar nichts mehr. Und das wenige, das manche vielleicht noch hatten, dann noch herausholen, und damit möglicherweise die neidvollen, hungrigen Blicke anderer auf sich zu lenken, wäre wohl eher unangenehm gewesen. Da blieb der Kanten Brot doch besser im Beutel.

Aber dann nimmt Jesus das wenige, was seine Jünger und er noch dabei hatten, und zieht sich nicht etwa mit seinem Jüngerkreis zurück, um sich selber erst mal wieder satt zu essen, sondern spricht das Dankgebet darüber, bricht das Brot und fängt an, es austeilen zu lassen.

Vielleicht haben dadurch ermutigt dann viele andere angefangen, auch ihre restlichen Kanten Brot aus der Tasche zu holen, und dies hat sich wie ein Schneeball-Effekt fortgesetzt. Alle holen noch ihre Reste aus der Tasche, fangen an, miteinander zu teilen, das Brot miteinander zu brechen und gemeinsam Mahl zu halten, im Vertrauen darauf, dass es schon für alle reichen wird.

Und die Leute aßen und wurden satt. Und am Schluss waren auf einmal noch sieben Körbe voll Brot übrig.
Ich glaube fest daran: Wenn wir den Mut finden, voll Vertrauen auf Gott und seine Barmherzigkeit miteinander zu teilen, und statt nur angstvoll auf die eigenen Vorräte zu starren darauf zu vertrauen, dass es für alle reichen wird, können noch heute Wunder geschehen. Im Kleinen genauso wie im Großen. Immer wieder.

Foto: amras_de – Quelle: http://www.flickr.de

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