Umbrisches Abendgespraech – Dan Brown & Maria von Magdala

„Sie sind doch beide Theologen! Wie ist das denn nun mit der Geschichte, die da zwischen Maria von Magdala und Jesus abgelaufen sein soll?“, so fragte interessiert das Ehepaar, welches wie wir sein Ferienquartier hier im „I Perugini“ bei Perugia aufgeschlagen hat.

Sie sind bestens informiert, ihnen ist bekannt, dass die Evangelien erst geraume Zeit nach Jesu Tod aufgeschrieben worden sind, und es wird auch sehr schnell deutlich, dass Dan Browns „Sakrileg“ die Folie ist, vor deren Hintergrund ihnen diese Frage gekommen ist.

Die grundlegende Problemlage wird auch sehr schnell deutlich: Es ist die – von den Kirchen ja selber lange Zeit vertretende – Auffassung, dass es sich bei den Schriften der Evangelien um historische Berichte handelt.

Natuerlich kommt man mit dieser Auffassung dann schnell an Grenzen, sofern man kritisch nachdenkt. Ich durfte das selber waehrend meines Theologiestudiums feststellen. Insbesondere ausgeloest durch die hervorragenden NT-Vorlesungen meines Profs Paul Hoffmann.

Mein bis dahin eher kindlicher Glaube wurde ziemlich grundlegend zerstoert. Die Erkenntnisse der Vorlesung haben mir klar gemacht, dass die Evangelien bereits theologisch beeinflusste Schriften sind, mit denen die jeweiligen Evangelisten auch bestimmte Personenkreise angesprochen haben. Sie erzaehlen in ihren Metaphern etwas ueber Gott und Gottes Reich, und natuerlich ist in ihnen auch der historische Jesus mit seiner Botschaft zu entdecken, aber sie sind eben keine Geschichtsbuecher in unserem historischen Sinne (sehr empfehlenswert in diesem Zusammenhang uebringens ein Buch von Gerd Theissen: Der Schatten des Galilaers).

Aber nur durch diese Vorlesungen habe ich schliesslich die Moeglichkeit bekommen, wieder etwas mehr von der Metaphorik zu verstehen, die uns in den Evangelien begegnet, und welche einen unermesslichen Reichtum darstellt, der mehr ueber Gott erzaehlt, als jeder historische Bericht es koennte.

Ich denke, es ist hohe Zeit, dass wir eine solche Metaphorik wieder einueben. Auch, damit wir die Evangelien wieder besser verstehen und besser Gottes gute Nachricht unter die Menschen bringen koennen. Diese Metaphorik ist uns ueber den vergangenen 2000 Jahren, glaube ich, etwas verloren gegangen.

Ein Artikel von Paul Hoffmann: Wer war Jesus von Nazareth?

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