Biblisches Disneyland?

Wie ich heute in der Frankfurter Rundschau lesen musste, planen fundamentalistisch eingestellte Kreise in der Nähe von Heidelberg so eine Art biblisches Disneyland namens „Genesis-Park“. Unter anderem soll es dort eine „Arche Noah“ als riesiges Haus in Echtgröße geben und eine Achterbahn, in der Teufel nach den Besuchern grapschen.

Auf rund 50 Hektar sollen die Geschichten der Bibel erzählt werden (wie man die Achterbahn da unterbringen will, ist mir allerdings schleierhaft). Dabei soll den Leuten die biblische Botschaft allerdings als wortwörtlich zu glaubende Wahrheit vor Augen gestellt werden, nicht als eine von Metaphern und Glaubensgeschichten geprägte Schrift.

Vorbild der ganzen Geschichte sind ähnliche Parks in Brasilien (Tuerra Santa) und den USA/Florida (Holy Land Experience). Im Hintergrund stehen Kreationisten, die auf diese Weise versuchen, ihre Glaubens-Auffassungen der Bibel als Biologie-Buch gegen naturwissenschaftliche Erkenntnisse u.a. der Evolutionstheorie in die Köpfe (und Herzen) der Leute zu bringen.

Einziger Knackpunkt scheinen derzeit noch die fehlenden Finanzen zu sein. 80 Millionen Euro sind notwendig, um das Projekt zu stemmen. – Ich hätte gute Ideen, wo diese 80 Millionen wesentlich besser angelegt wären …

Der Artikel in der Frankfurter Rundschau: Jesus lebt – im Freizeitpark

Foto: st00pidgErL – Quelle: http://www.flickr.de

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8 Kommentare zu „Biblisches Disneyland?“

  1. an oekumenisch:
    Es ist schon witzig, wie Sie sich ereifern, dabei widersprechen Sie sich selbst:
    die Evolutionstheorie ist genau das, was im obigen Artikel steht – eine THEORIE, keine Erkenntnis.
    Ich wünschte mir eine sachliche Diskussion zwischen Schöpfungstheorie und Evolutionstheorie,und zwar auf Augenhöhe, ohne jede Polemik.

  2. Sachen gibts, die gibts nicht … das klingt ja so, als ob diese Kreationisten nun auch in Europa mehr werden würden.

    Ich denke, dass mit der Evoliutionstheorie wird seitens der Fundamentalisten schlicht missverstanden, weil sie sich heutigem Denken verweigern. Die Evolutionstheorie ist eine naturwissenschaftliche Theorie aus der 3.Peron-Person-Perspektive, der biblische Schöpfungsbericht ist eine Sinnaussage aus der 1.Person-Perspektive. Da gibts keinen Widerspruch, sondern es wird auf verschiedenen Ebenen kommunizieren.

  3. @ion62, wenn Du beides Theorie nennst, Schöpfung und Evolution dann verwischt Du die Grenzen ein wenig, die es in der Tat gibt.

    Was bitte ist genau eine Erkenntis und in welchem metaphysischen System verwendest Du diesen Begriff?

    Ausgehend vom „Naiven Realismus“ würde ich den Sachverhalt folgendermaßen beschreiben:

    Die Evolutionstheorie ist die in der wissenschaftlichen Gemeinde akzeptierte Interpretation der Erkenntnisse über die Entwicklung von Lebewesen über die Generationen.
    Evolution selbst ist ein definierter Begriff. Evolution ist die Veränderung der vererbbaren Merkmale einer Population von Lebewesen von Generation zu Generation.
    Es gibt Evolution, sie findet statt, sie wird tatsächlich beobachtet, sie kann als Fakt betrachtet werden.

    Die Frage ist, wie sie von statten geht. Die Evolutionstheorie liefert dafür eine Erklärung. Sie beschreibt Mechanismen nach denen sich die vererbbaren Merkmale von Generation zu Generation verändern. Das sind u.a. Selektion, Mutation, Rekombination, Gendrift. Die Evolutionstheorie trifft überprüfbare Behauptungen, die allesamt bestätigt wurden, weshalb sie die große Akzeptanz in der wissenschaftlichen Gemeinde erhalten hat.

    Du verwendest jetzt den Begriff Schöpfungstheorie. Heißt dass Du bist in der Lage desgleichen für die Schöpfung zu benennen?

    Üblicherweise wird Schöpfungsglaube als Begriff verwendet, was der Sache schon näher kommt. Die Quelle dessen ist nicht die Beobachtung der Natur und Schlussfolgerungen daraus sondern der überlieferte und interpretierte Text der Bibel.

    Augenscheinlich sind beide nicht vergleichbar.

    Ich habe mich sehr bemüht ohne Polemik auszukommen und denke es ist mir gelungen. Falls nicht, bitte ich dies zu entschuldigen. Ich freue mich auf Deine Erwiderung, ich bin gerne bereit die Angelegenheit vorbehaltlos zu diskutieren.

  4. Daniel,

    ja, es ist Dir gelungen, ohne Polemik auszukommen :-), finde ich gut.

    Ich stimme Dir zu, dass die Evolutionstheorie die Interpretation der Erkenntnisse über die Entwicklung von Lebewesen ist. Für mich stellt sich das so dar: die Wissenschaft entdeckt Vorgänge in der Natur, Veränderungen an Lebewesen und zieht Rückschlüsse daraus. Sie beschreibt tatsächlich vorhandene Vorgänge, begibt sich jedoch bei der Darstellung der Gründe und Mechanismen für die Veränderungen auf den Boden der Annahmen.

    Ich möchte gern anhand von Mutation einmal fragen: Woher „weiss“ ein Organismus, wie er sich verändern muss, damit ein Leben in einer veränderten Umwelt möglich wird? Krass ausgedrückt, wie konnte die Kieme „wissen“, dass sie ein Lungenbläschen werden muss und welche Funktionen erforderlich sind, damit das Leben vom Meer aufs Land übergehen konnte? Was genau ist der Auslöser für die Veränderung? Und wie wird das Ziel und der Weg für die Veränderung in den Organismus hineingetragen, wenn es ohne bewusstes, planvolles Handeln vor sich gehen soll? By the way möchte ich gern bezweifeln, dass die Behauptungen der Evolutionstheorie allesamt bestätigt wurden.

    Zum Glauben an die Schöpfung, möchte ich sagen, dass mich gerade die Beobachtung der Natur (die komplexen Abhängigkeiten, Synergien und Gesetzmässigkeiten) immer wieder darin bestärkt, dass es einen Schöpfer gibt. Mein grösstes Argument jedoch kommt tatsächlich aus der Bibel, die nämlich besagt: Gott schuf das Leben. Er hat aus NICHTS LEBEN geschaffen. Diese „Behauptung“ der Bibel ist für mich nachprüfbar, denn es ist ja Leben da. Woher ist es gekommen? Bisher war es keinem Menschen und keiner Wissenschaft möglich aus Nichts etwas zu schaffen. Und noch keinem Menschen oder keiner Wissenschaft ist es gelungen aus unbelebter Materie Leben zu machen. (ich fürchte, jetzt komme ich ins Polemisieren)

    Abschliessend möchte ich sagen, ich bin keine Kreationistin (weiss auch wenig darüber), aber ich bin Christin und glaube, dass die Bibel Gottes Wort ist. Für mich ist jedoch Wissenschaft und der Glaube an Gott kein Widerspruch. Die Wissenschaft erkennt und beschreibt die Naturgesetze, aber kein Gesetz ohne Gesetzgeber…

  5. @ ion62

    Vom Prinzip her sehe ich nun keinen Widerspruch zwischen uns.

    Dass ich gegenüber fundamentalistischen Glaubensauffassungen meine Vorbehalte habe, dürfte aus meinem Beitrag deutlich geworden sein. Mir geht es grundsätzlich darum, dass niemand sagen sollte, er könne Gottes Handschrift wirklich entziffern. Ich glaube, dazu ist unsere Erkenntnisfähigkeit zu gering. – Bei Fundamentalisten wie den Kreationisten haben ich aber genau dieses Gefühl, dass sie ganz genau sagen können, wie alles abgelaufen ist, und dass die modernen Naturwissenschaften sich eben irren, weil diese Erkenntnisse nicht der wortwörtlich genommenen Bibel entsprechen.

    Gott ist immer größer. Und auch die Bibel ist „nur“ Gotteswort in Menschenwort, und damit auch der Begrenztheit unserer menschlichen Erkenntnis- und Vermittlungsfähigkeiten gebunden. Der historisch-kritische Umgang mit der Schrift hat dies m.E. eigentlich schon sehr deutlich kenntnlich gemacht (wenn man den auch mit historisch-kritischer Methodik an die Bibel herantreten will).

  6. @ion62

    Du schreibst: „By the way möchte ich gern bezweifeln, dass die Behauptungen der Evolutionstheorie allesamt bestätigt wurden.“
    Du hast recht, da habe ich mich falsch ausgedrückt. So eine Theorie zu beweisen ist ohnehin nicht möglich. (Stichwort Induktionsproblem)
    Was ich besser hätte sagen sollen ist, ist dass alle Beobachtungen mit dem Theoriegebäude in Einklang sind. Es gibt keine Beobachtungen soweit es mir bekannt ist, die der ET widersprechen. Würde es soweit kommen, müsste man sich auch von der Theorie verabschieden, aber das darf als sehr, sehr unwahrscheinlich gelten, sie ist einfach zu gesichert.

    Du fragst: „Ich möchte gern anhand von Mutation einmal fragen: Woher “weiss” ein Organismus, wie er sich verändern muss, damit ein Leben in einer veränderten Umwelt möglich wird?“
    Mutationen müssen überhaupt nicht zielgerichtet sein, nach allem was wir wissen sind sie es auch nicht. Die Natürliche Selektion „weiss“ welche Mutation hilfreich ist und welche nicht. Wenn eine Mutation dem Überleben dient pflanzt sie sich automatisch in der Population fort.
    Wenn man so salopp sagt „Die Giraffe hat einen langen Hals, damit sie besser an die Blätter von Bäumen kommt“, dann meint man damit eigentlich: „Giraffen, deren Hals länger ist, finden leichter Nahrung und überleben dadurch länger als die durchschnittliche Giraffe und haben somit mehr Zeit Nachwuchs zu bekommen, dieser Nachwuchs hat durch das Erben der Gene der erfolgreichen Eltern wiederum einen längeren Hals als der Durchschnitt. Der größere Reproduktioinserfolg der Tiere mit langem Hals sorgt dafür dass es bald keine Tiere mit kürzerem Hals mehr gibt.“
    Im Detail ist das natürlich alles viel komplizierter es ist ja nicht die Länge allein und es geht auch nicht um immer länger und länger werden, sondern um die richtige Länge und die Kosten/Nutzen-Abwägung. Wichtig ist nur zu verstehen, dass für diesen Prozess niemand eine Entscheidung treffen muss:
    Mutationen treten zufällig auf. Die meisten sind egal, ein großer Teil von Mutationen sorgt für eine schlechtere Anpassung an die Umwelt, diese Tiere werden weniger oder keinen Nachwuchs haben im Schnitt, weshalb diese Mutationen aussterben. Sehr selten tritt eine Mutation auf, die die Anpassung an die Umwelt verbessert, dadurch dass sie die Zahl der Nachkommen erhöht, die ebenfalls diese Verbesserung aufweisen, wird die Verbesserung sehr schnell durch die ganze Population getragen. In wenigen Generationen haben alle Lebewesen einer Population diese Verbesserung.

    Was die konkrete Frage nach dem Landgang betrifft, ist sie schwierig zu beantworten. Ist ja schon ne Weile her. ;)
    Es gibt viele verschiedene Hypothesen dazu, wie das abgelaufen sein könnte, aber nur für Detailfragen gibt es bisher gesicherte Antworten durch Fossilien und Erbgut-Untersuchungen.
    Eines ist sicher: Kiemen sind nicht zu Lungen geworden, das sind völlig verschiedene Strukturen, die ersten Landgänger hatten also beides, was für einen graduellen Übergang vom Wasser zum Land auch nötig ist.
    Was die Tiere an Land trieb ist nach der momentan beliebtesten Hypothese überraschenderweise, dass sie wieder ins Wasser wollten.
    Überleben in ausgetrocknenden Wasserlöchern oder in Sümpfen ist dann leichter, wenn man sich von Wasserloch zu Wasserloch bewegen kann und möglichst eine gewisse Zeit ohne Wassr auskommt. Fische in einem solchen Lebensraum haben durch die Fähigkeit Sauerstoff aus der Luft aufzunehmen also einen Überlebensvorteil. Ebenso ist es von Vorteil von Tümpel zu Tümpel robben zu können. Das bedeutet also, dass Mutationen die diese Fähigkeiten verbessern sich schnell in der Population durchsetzen, da der Überlebensvorteil dazu führt dass sie im Schnitt mehr Nachkommen haben als die ohne.
    Das ist wie Natürliche Selektion arbeitet. Verbesserungen setzen sich durch, Verschlechterungen sterben aus. Da das Bessere der Feind des Guten ist, wird auf den Verbesserungen aufgebaut. Dadurch werden die Strukturen Generation für Generation ausgefeilter. Schließich wird auch die Nahrung in diesem „Zwischenlebensraum“ erschlossen.

    An keiner Stelle muss jemand was entscheiden oder muss ein Organsimus etwas wissen. Es passiert schlicht automatisch. Das macht diese Theorie so ungemein elegant und fast ehrfurchteinflößend schön.

  7. Ach ganz vergessen,du schreibst: „Die Wissenschaft erkennt und beschreibt die Naturgesetze, aber kein Gesetz ohne Gesetzgeber.“

    Sagt wer? Woraus folgt, dass es ein Gesetz einen Gesetzgeber benötigt? Das ist eine fehlerhafte Analogie von Gesetzen die menschliches Zusammenleben regeln auf die Naturgesetze. Dass man das nicht einfach übertragen kann auf ist klar, sie sind in ihrer Natur komplett verschieden.

    Ich kann leicht ein Gesetz übertreten wenn ich wollte, ich kann kein Naturgesetz „übertreten“. Es ist ja gerade die Beschreibung eben dieser Grenzen. Die Beobachtung dass nicht alles was vorstellbar ist auch tatsächlich geschieht. Ein Gesetzgeber folgt daraus nicht, ist aber auch nicht explizit ausgeschlossen. Aber ohne Grund für die Annahme eines solchen Gesetzgebers nehme ich ihn nicht an.

    Oben habe ich ja die Natürliche Selektion beschrieben. Sie ist im Grunde auch ein biologisches Gesetz, an welcher Stelle ist da ein Gesetzgeber nötig?
    Jetzt kann man argumentieren, dass es kein elementares Gesetz ist, sondern in einer übergeordneten Ebene durch die elementaren Gesetze der Kosmologie bedingt ist, Materie und Energie und deren Wechselwirkung. Aber auch hier haben wir nicht die Notwendigkeit für einen Gesetzgeber. Tatsächlich wissen wir darüber sehr wenig, eventuell können wir nichtmal alles darüber wissen, aber nichts von dem was wir wissen setzt einen Gesetzgeber voraus.

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