Prior von Taizé: Ohne Ökumene wird die Botschaft des Evangeliums unhörbar

taizeklein.jpgDerzeit findet in Genf das 30. Europäische Jugendtreffen der Ökumenischen Gemeinschaft von Taizé statt.

Anlässlich dieses Treffens hat der Prior der Ökumenischen Gemeinschaft, Frère Alois, die Christinnen und Christen zur Ökumene aufgerufen. Er warnte davor, dass die Botschaft des Evangeliums unhörbar werde, wenn die Christenheit in Trennung verharre, statt zur Einheit zu finden. Es werde viel zu viel Kraft in den Kleinkriegen zwischen den Konfessionen, teilweise sogar innerhalb einer Konfession verloren, so Frère Alois in einem offenen Brief mit dem Titel „Aufruf zur Versöhnung der Christen„.

Beim Abendgebet am Freitag sagte er: „Unser Einsatz für die Versöhnung findet seine Quelle in der Versöhnung, die Gott uns anbietet.“

Als ökumenisch engagierter Christ hoffe ich sehr, dass sein Appell Gehör findet. Denn es geht ja nicht darum, dass alle Konfessionen unter eine gemeinsame kirchliche Struktur zusammenfinden und sich selber dabei aufgeben. Frére Alois schreibt vielmehr in seinem Brief, dass in Taizé der „Austausch der Gaben zwischen den verschiedenen Traditionen“ bereits begonnen habe, und dass bestimmte Aspekte des Geheimnisses des Glaubens von unterschiedlichen christlichen Konfessionen unterschiedlich stark herausgestellt werden.

Und es wäre m.E. problematisch, wenn wir über dem Streben nach Einheit die Vielfalt verlieren würden. Wie liefen Gefahr, einen großen Reichtum an wertvollen Glaubenstraditionen zu verlieren, der sich in der Vielfalt der Kirchen und Konfessionen von Beginn des Christentums an entwickelt hat, und mit dem die unterschiedlichen Kirchen und Konfessionen ganz verschiedenen Menschen einen ihnen je nahe kommenden christlichen Weg zu Gott anbieten können.

Zudem bin ich der Überzeugung, dass es unserem Zeugnis von einem Drei-Einigen Gott eher entsprechen würde, wenn wir in einer Einheit in der Vielfalt zusammenfinden würden, als in einer Einheit ohne Unterschiede. Daher finde ich noch immer die Ökumenische Vereinbarung, die 1931 zwischen der Anglikanischen Kirchengemeinschaft und den Alt-Katholischen Kirchen der Utrechter Union über die volle Kirchengemeinschaft der beiden Kirchenfamilien geschlossen wurde (die so genannte „Bonner Erklärung“), bis heute wegweisend:

  1. Jede Kirchengemeinschaft anerkennt die Katholizität und Selbständigkeit der anderen und hält ihre eigene aufrecht.
  2. Jede Kirchengemeinschaft stimmt der Zulassung von Mitgliedern der anderen zur Teilnahme an den Sakramenten zu.
  3. Volle kirchliche Gemeinschaft verlangt von keiner Kirchengemeinschaft die Annahme aller Lehrmeinungen, sakramentalen Frömmigkeit oder liturgischen Praxis, die der anderen eigentümlich ist, sondern schließt in sich ein, dass jede glaube, die andere halte alles Wesentliche des christlichen Glaubens fest.

Wenn sich alle Kirchen auf diesen Text einigen könnten, wäre die Ökumene der Einheit in der Vielfalt perfekt. Und wir könnten uns endlich wieder gemeinsam auf das Evangelium konzentrieren.

Foto: taizé

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