Andacht zu Hiob 38,1-21

www.pixelquelle.deEin Kosmonaut sprach einmal einen Gehirnforscher an, von dem er wusste, dass dieser an Gott glaubt. Der Kosmonaut sagte: „Ich war nun schon so oft draußen im Weltraum. Aber ich habe weder Gott noch Engel gesehen.“ Darauf antwortete der Gehirnforscher mit einem Lächeln: „Und ich habe schon so viele kluge Gehirne operiert. Aber ich habe nirgendwo auch nur einen einzigen Gedanken entdeckt.“

Mit den Naturwissenschaften versucht die Menschheit schon seit langem die Geheimnisse des Lebens zu ergründen. Vieles wurde schon verstanden, und gerade das letzte Jahrhundert hat ja hervorragende Fortschritte mit sich gebracht. Ein immer tieferes Verständnis hat uns immer wieder weiter gebracht, hat neue Werkstoffe wie z.B. die Kunststoffe entstehen lassen oder auch neue Medikamente wie Penicillin, mit denen nun Krankheiten geheilt werden können, die davor noch als unheilbar galten.

Aber je tiefer unsere Erkenntnis dringt, desto komplexer stellen sich die Zusammenhänge dar. Je mehr offene Fragen beantwortet werden, desto mehr neue offene Fragen stellen sich.

Ich glaube nicht, dass wir bei aller Erkenntnis jemals mit unserem Verstand den Grund allen Lebens finden werden. Er wird uns letztlich immer ein Geheimnis bleiben. Der Urgrund allen Seins, den wir glaubenden Christinnen und Christen in Gott sehen, wird uns immer ein Geheimnis bleiben – auch bei all dem, was er uns nach unserem Glauben von sich selbst geoffenbart hat. Die spöttischen Fragen, die Gott in unserem heutigen Tag dem Hiob stellt, sollten uns an diese Tatsache erinnern.

Deswegen nährt sich der Glaube auch nicht vorrangig aus der rationalen Erkenntnis, sondern aus dem glaubenden Erleben. Der von mir sehr verehrte römisch-katholische Theologe Karl Rahner hat einmal gesagt, dass der Christ der Zukunft ein Mystiker sein müsse, einer, der Erfahrungen in göttlichen Dingen gemacht hat, der etwas mit Gott erlebt hat, oder er werde nicht mehr sein.

Ich teile diese Auffassung: Wenn unser Leben nicht von einem Glauben erzählt, welcher Erfahrungen mit Gott gemacht hat, werden wir anderen Menschen nur schwer von diesem Glauben etwas weitergeben können. Und dann wird sich die Gemeinschaft der Christinnen und Christen, die Kirche, irgendwann einmal erledigt haben.

Gerade auch die Erfahrungen, die wir in tiefem Leiden mit unserem Gott gemacht haben, so wie sie uns im Buch Hiob geschildert werden, erzählen mehr von unserem Glauben und unserem Vertrauen in Gott und Gottes Wirken in unserem Leben als alles andere.

Aber ich glaube auch, dass ein glaubender Mensch nicht der Versuchung erliegen sollte, über seinem Glauben den Verstand abzuschalten. Glaube und Rationalität gehören für mich zusammen. Denn ein Glaube ohne Verstand verliert sehr schnell den Boden unter den Füßen und verfällt in eine Haltung, alles als gegeben hinzunehmen, ohne es auch nur in Ansätzen kritisch zu hinterfragen. Und ich glaube nicht, dass uns Gott unseren Verstand dafür gegeben hat, ihn auszuschalten, sobald es um Gott selber oder um Schicksalsfragen, um Leid und Trauer geht.

Ich denke, es ist eine gesunde Grundhaltung, alles wissen zu wollen, kritisch zu hinterfragen, nichts als Gottgegeben schicksalhaft hinzunehmen. Und gleichzeitig glaubend zu akzeptieren, dass man nicht alles versteht, dass vieles unverständlich bleibt, gerade auch dann, wenn wir Leid erleben. – Und ich hoffe, dass wir als Christinnen und Christen dem Nächsten nicht nur in der Freude, sondern gerade auch im Leiden nahe sind, und ihm durch unsere Anteilnahme und unser Mitleiden die Geborgenheit in Gott vermitteln.

Foto: Clarissa Schwarz – Quelle: http://www.pixelquelle.de

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